Ich könnt mich ja aufregen (Fragment)

Ich bin ja nach viel zu vielen Semestern an der Uni so einiges gewohnt. Aber manchmal, da verschlägt es mir irgendwie die Sprache oder ich bin kurz davor meinem Gegenüber eine zu knallen. Das liegt nicht daran, dass ich mir ständig irgendwelche Seminare antun muss, an dessen Sinn und Zweck ich mehr als nur zweifel. Das ist normal, oft genug denke ich mir: „Ach, warum lässt du den Mist nicht einfach bleiben und machst einen Buchladen auf? Haste zwar nich gelernt, aber in Deutschland ist es ja eh den meisten Menschen egal, ob sie von dem, was sie tun, Ahnung haben oder nicht. Einer mehr fällt da nun wirklich nicht mehr auf. In meinem eigenen Buchladen könnte ich den Leuten was erzählen und wer mich zu sehr nervt wird einfach rausgeworfen. Klingt ja schon irgendwie paradiesisch.“

Nein, sowas denke ich nur ab und an mal, zum Beispiel wenn ich Texte über Neokorporatismus lesen muss. Der wahre Grund, warum mir manchmal die Spucke wegbleibt, sind die eher kruden und verworrenen Gedankengänge meiner Kommilitonen. Und ja, eigentlich meistens nur die Gedankengänge der männlichen Zeitgenossen. Neben den hochgeistigen Kommentaren, die so manch einer noch über den belanglosesten Kram während Lehrveranstaltungen ablässt, gibt es da ja noch die Kommentare zu allem anderen. Mein liebstes Beispiel ist da ja immer noch die Sache mit dem Rechtsextremismus und dem Projekt „Fakultät ohne Rassismus“. Hab ich schonmal drüber geschrieben? Keine Ahnung, ist mir auch gerade egal, ich mach hier jetzt weiter.

Wenn man jemanden fragt, ob er denn für dieses Projekt unterschreiben will, dann gibt es verschiedene Reaktionen darauf. Manche unterschreiben sofort, andere unterschreiben, nachdem man ihnen die ganze Sache nochmal erklärt hat, wieder andere reagieren gar nicht und gehen einfach weiter und der Rest weigert sich zu unterschreiben und versucht dieses auch noch zu begründen. Die meisten dieser Begründungen kann man recht einfach entkräften. Zum Beispiel: „Ne, also ich hab gar keine Zeit mich noch um die Organisation von Projekten und Aktionen zu kümmern!“ – „Musste auch net, steht da auch net, machen wir schon, keene Sorge!“

Andere Argumente hingegen sind nicht so einfach zu entkräften, da die Argumente eigentlich gar keine Argumente sind.

„Also, ne, ich unterschreib da nich. Damit stört ihr ja den Diskurs!“

Wenn ich sowas schon höre! Nein, mit einer klaren Positionierung stört man den Diskurs nicht! Man darf sich auch innerhalb von Diskursen klar positionieren! Mal ganz davon abgesehen, dass das, was da unterschrieben wird, es sogar fordert, dass man redet! Aber man muss ja nicht lesen, einfach nur dagegen sein reicht vollkommen.

Auch schön ist: „Mit dieser Aktion grenzt ihr doch die Nazis aus. Damit seid ihr kein Stück besser als die!“ Zum Glück ist dieser Spruch nicht mir gegenüber gefallen, denn an dem Tag hatte ich ja sowieso eine Laune zum Füße wärmen und wahrscheinlich hätte ich den Typen hochkant aus dem Fenster geworfen. Niemand redet davon diese Typen auszugrenzen oder zu diskriminieren, auch wenn sie es wirklich, wirklich verdient hätten. Was geht in den Köpfen vor, wenn diese Köpfe es zulassen, dass der Mund so einen Dummfug fabriziert?

…only this and nothing more…

2 Gedanken zu „Ich könnt mich ja aufregen (Fragment)“

  1. Also ich war bei dem oben genannten Gespräch über die Ausgrenzung von Nazis zufällig zugegen. Der genaue Wortlaut des Kommilitonen lautete: „Ich habe das Gefühl, dass ihr mit dieser Aktion die Nazis zu Sündenböcken macht, so wie die Nazis früher die Kommunisten zu Sündenböcken gemacht haben!“ Ja … genau das was der geneigte Leser bzw. die geneigte Leserin in dem Moment denkt, wo sie diesen Kommentar liest, dachte ich auch! Aber das Leben ist zu schön um sich mit solch marginalem Volk zu beschäftigen…sowas gibts in meiner zukünftigen feministischen Diktatur nicht 😉

  2. an der fgse wundert mich eigentlich schon fast gar nix mehr. da musste dir sowi-studis anhören, die was von ner „jüdischen rasse“ erzählen (und ich mein nicht den gärtner) und die auch gern mal in „gute und schlechte ausländer“ mit den übelsten klischees einteilen. und die dozentInnen sind manchmal auch nich viel besser. beim letzten beispiel stand die gute einfach nur vorn und hat vor sich hingegrinst. und dann bloß schnell weiter im stoff, hat ja hoffentlich keiner gehört. die gute hat mich nicht wieder gesehen…

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