Hey, die haben hier ja ’ne Umkleidekabine!

Kaum geht die Uni wieder los, gibt es auch schon Neues von meiner Nachbarin zu berichten. Die will ja jetzt Sport machen. Badminton um genau zu sein. Naja, typischer Sport, den sich Frauen aussuchen. Liegt wahrscheinlich an der Ähnlichkeit des Schlägers zu einer Bratpfanne. Man muss ja üben, wie man seinen Freund möglichst wirksam eine überbrät. Die Praktikantin hat übrigens Bogenschießen belegt und ich frag mich irgendwie ob ich mir darüber Gedanken machen sollte. Nein, Spaß bei Seite, Badminton kann wirklich Spaß machen und ist auch (beim entsprechenden Gegner) ziemlich anstrengend. Aber eine Frau kann ja nicht einfach so zum Sport gehen, nein dafür braucht man natürlich neue Klamotten. So zog meine Nachbarin also los um sich entsprechend einzudecken.

Sie entschied sich dann für ein Sportoberteil mit integriertem Sport-BH (ja, ich war auch erstaunt, was es so alles gibt). Problem war nur, sie hat dies in einem Laden gekauft in dem es keine Umkleidekabinen gab. Wir Männer kaufen ja öfters alleine nach der Größe, Frauen hingegen probieren dann doch lieber an. Ist ja auch irgendwie vernünftig, ging nun aber halt nicht.

Sie musste aber eh noch weiter einkaufen, denn der Mensch muss ja auch mal was essen usw. Also betrat sie einen dieser typischen Supermärkte, die nahezu alles integriert haben. Reine Lebensmittelgeschäfte sind ja eh out, der Laden muss ja auch noch eine Elektroabteilung, Pflegeprodukte (garantiert von echten Frauen getestet) und allerlei sonstigen Kram im Angebot haben. Dazu zählen natürlich auch Klamotten und da dieser Supermarkt was auf sich hält, gab es natürlich auch Umkleidekabinen. Meine Nachbarin dachte sich also: „Hey, die haben hier ja ’ne Umkleidekabine!“ und schwups betrat sie diese. Da sie ja einen Kassenbon zum Kleidungsstück aus dem anderen Geschäft hatte, hatte sie die Tüte nicht am Eingang abgegeben und konnte jetzt endlich auch mal anprobieren.
Kurzzeitig kam ihr der Gedanke: „Hey, ich bin hier ohne ein Kleidungsstück aus der Auslage zu nehmen in die Umkleidekabine!“, aber nun, was kümmern einen schon solche Details. Logischerweise blieb sie ein bisschen in dieser Umkleidekabine (man muss sich ja auch ausgiebig im Spiegel betrachten) um dann selbige wieder zu verlassen, natürlich genau so gekleidet wie vorher, aber wenigstens wusste sie jetzt, dass der Sport-BH passte. Sie kaufte dann auch fröhlich weiter ein, nur an der Kasse kam ihr der Gedanke wieder, dass es ja schon irgendwie auffällig war, was sie da gemacht hatte. Bezahlen ging dann, im Gegensatz zu der anderen Sache, auch ganz normal von statten und sie machte sich auf den Rückweg, als sie jemand ansprach: „Entschuldigen Sie?“ – „Ja?“. Sie dachte das wäre jemand, der die Uhrzeit wissen wolle, war es aber nicht, es war der Kaufhausdetektiv. Selbiger konfrontierte sie dann auch gleich mit ihrer „Tat“, C. wurschtelte sich aber geschickt aus der Sache heraus, in dem sie ungefähr folgendes erklärte: „Ja, ich bin in die Umkleidekabine gegangen und habe da was anprobiert. Und zwar dieses Oberteil hier, welches ich in dem anderen Laden dahinten gekauft habe. Aber die hatten halt keine Umkleidekabine, sie aber schon und da wollte ich das eben anprobieren. Ich habe auch einen Kassenbon, sehen sie?“ Der Kaufhausdetektiv gab sich auch, erstaunlicherweise (!), mit dieser Erklärung zufrieden und wünschte ihr noch einen schönen Tag.

Was jetzt so erstaunlich an der ganzen Sache ist? Anstatt froh zu sein, dass sie dieses Mal ohne großes Brimborium aus der Sache herausgekommen ist, beschwert sie sich auch noch darüber, dass der Kaufhausdetektiv sie so einfach hat ziehen lassen! O-Ton: „Der hat sich den Kassenbon gar nicht richtig angeguckt und außerdem hatte ich ja noch eine Tüte mit. In die hat er gar nicht richtig reingeguckt! Außerdem hat der zu mir gesagt, ich hätte mich in der Umkleide auch wirklich umgezogen. Ich frag mich ja, wo die ihre Kameras haben, dass der das so genau wusste!“

Tja, liebe C., überleg jetzt nochmal, warum der dich wohl so hat ziehen lassen…

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