Gründe gegen das Abitur

Es gibt ja viele Gründe, die dagegen sprechen das Abitur zu machen. Man hat keine Lust mehr auf Schule, hat schon einen tollen Ausbildungsplatz und wird bald Vater, man hat einfach nicht die geistigen Kapazitäten usw.

Sehr interessant ist aber die folgende Begründung, getätigt von einer Dame im zarten und aus Gründen des Anstandes nicht näher bestimmten Alters um die 35. Sie kommt gebürtig aus den neuen Bundesländern, aus einer Gegend die Polen Tschechien deutlich näher ist als Deutschland oder der ehemaligen DDR. Aber das nur am Rande, denn die geografische Lage ihres Geburtsortes tut hier nichts weiter zur Sache.

Besagte Dame hat nach der 10. Klasse die Schule verlassen, also zu Zeiten des frisch geeinten Deutschlands. Heute brachte sie ihren Sohn zum Vater, da die beiden geschieden sind und der Sohn beim Vater und seiner neuen Frau wohnt. Dabei kam es irgendwie zum Gespräch über Schulabschlüsse und zu der Frage des 9-jährigen Sohnes, was denn der Unterschied zwischen einem Abitur und einem Fachabitur sei. Diese Frage konnte sie nicht beantworten und so musste die Stiefmutter (Gottchen klingt der Ausdruck böse…) herhalten und dem Knirps die passende Antwort liefern. Dieser quittierte die Unwissenheit seiner Mutter mit, sinngemäß, folgendem Spruch: „Mama, du konntest ja damals kein Abitur machen.“, worauf sie sinngemäß antwortete: „Naja, so stimmt das nicht ganz. Ich konnte und wollte auch nicht. Das war ja damals genau die Zeit der Wende und somit stimmte ja alles in Politik nicht mehr, was wir gelernt haben.“ Gut, so kann man es natürlich auch ausdrücken. Ohne Frage war der Umschwung zwischen Staatsbürgerkunde und dem damaligen Politik/Sozial-/Gemeinschaftskunde Westdeutschlands nicht ohne, aber dennoch wäre es sicherlich zu schaffen gewesen bis zum 13. Schuljahr (sie hätte auf Grund Umzugs ihr Abitur in Ostfriesland machen müssen) zumindest halbwegs auf einen Nenner zu kommen. Vor allem, wenn damals Politik, wie heute, kein zwingendes Prüfungsfach gewesen ist.

Und wem das jetzt wie ein vorgeschobener Grund vorkommt, der hat völlig recht. Wirklicher Grund war nämlich reine Lustlosigkeit auf Schule und Lust auf Berufsleben. Ein an sich durchaus legitimer Grund, aber nun, man muss ja vor den eigenen Kindern nicht immer ehrlich sein.

Aber die Begründung muss ich mir merken, das führe ich ab jetzt nach jeder Landtags- und Bundestagswahl an: „Ich hab keine Ahnung, ist doch jetzt alles anders!“

2 Gedanken zu „Gründe gegen das Abitur“

  1. Hm, ich denke da hast du die Frau auch in einem blöden Moment erwischt. Wie macht man seinem Kind klar, von dem man ja selbst sicher hofft, dass es eine gute Ausbildung macht, dass man selbst keinen Bock auf die Schule hatte? Ich kenne die Dame nicht, aber ich wette, dass sie nur ein paar Minuten später eine bessere Ausrede im Kopf hatte, wie es eben so ist mit der Schlagfertigkeit 😉

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