Was fehlt?

Ich hab mich mal wieder in die örtliche Buchhandlung getraut, der ich schon seit Jahren treu bin. Daran Schuld, also an dem treu sein, ist die ehemalige Geschäftsführerin, die einen ähnlichen Geschmack hatte wie ich und die mit ihren Buchvorschlägen meistens traf. Ihr hab ich wohl meinen thematisch sehr breiten Bücherschrank zu guten Teilen zu verdanken. Nun bin ich ja kaum noch in der Heimat und sie ist mittlerweile auch nicht mehr in dem Buchladen tätig, aber aus reiner Gewohnheit geh ich da immer noch hin. Allerdings überlege ich mir langsam, ob ich das nicht lassen sollte,

Zwischen all den Mainstreamthrillern, die eh alle Schema F sind und irgendwelchen Schnulzenromanen und aktuellen Beststellern findet man dort nämlich kaum noch „vernünftige“ Bücher. Über Geschmack lässt sich natürlich streiten und auch darüber, was nun vernünftig oder gehaltvoll ist oder was es eben nicht ist. Auch heute kommen noch wirklich gute Bücher auf den Markt, aber vorher gab es die auch. Was mich nämlich am meisten störte: Unter den Autoren von A-Z war Günter Grass noch so der bekannteste. Aber auch das störte mich jetzt weniger. Mir fehlten ganz einfach die Regale, oder zumindest ein Regal, mit den Hamburger Leseheftchen oder mit Büchern aus dem Reclam Verlag. Keine Spur vom Schimmelreiter, Emilia Galotti oder Faust! Auch Shakespeare suchte ich vergebens. Habe ich zu hohe Ansprüche? Ich dachte immer: Eine Buchhandlung, die was auf sich hält, hat solche Bücher vorrätig. Oder zumindest einen gewissen Bestand an den „beliebtesten“ Werken. So ganz ohne wirkt eine Buchhandlung irgendwie ärmlich…

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