Auch Lehrer sind Menschen?

Ein paar Gedanken zu zwei Beiträgen auf anderen Blogs.

Auf Schulwatch gab es, angeregt von einem Eintrag beim Herrn Rau folgendes zu lesen:

Wann aber läuft denn ein Tag für einen Lehrer schlecht? Schlechte Mitarbeit der Schüler? Die Schüler verstehen nichts? Wann ein Tag für Schüler schlecht läuft ist da schon offensichtlicher (und kommt wohl auch öfter vor…)

Ich muss ja sagen, dass ich immer noch beide Seiten halbwegs nachvollziehen kann. Meine Schulzeit ist noch nicht so lange her (die sechs Jahre…), aber ich war auch schon auf der anderen Seite des Lehrerpults und habe da aus verschiedensten Gründen nicht immer Glanzleistungen hingelegt.

Und sowas ist echt frustrierend, natürlich für beide Seiten. Ich steh vorne und bekomm keine Struktur in die Stunde, die Schüler merken das natürlich und bekommen dadurch nicht sonderlich viel Lust mitzuarbeiten. Ich weiß zwar nicht, was genau Herr Rau meinte, aber ich kann es mir vorstellen. Was ich aber nicht weiß: Kommt ein schlechter Tag bei Schülern wirklich so viel häufiger vor, als bei Lehrern? Sind Lehrer nicht oft genug aus den gleichen Gründen gefrustet wie Schüler? Schleppender und irgendwie „langweiliger“ Unterricht? Man scheint nicht miteinander, sondern aneinander vorbei zu reden? …?

Natürlich gibt es auf beiden Seiten solche und solche, aber ich hatte selbst Lehrer, denen hat man angesehen, dass sie nicht zufrieden waren, vor allem, wenn sie nicht zufrieden mit sich selbst waren. Irgendwann kennt man seine Klassen zwar (jedenfalls, wenn man sie halbwegs oft sieht, ist ja nicht jedes Fach wirklich häufig pro Woche vertreten), aber es kann immer mal passieren, dass man sich in der Vorbereitung denkt „Ja, damit kann ich die Schüler motivieren!“ und dann in der Stunde zündet es einfach nicht. Auch der Alternativplan geht daneben und dann steht man da, wie man eben so da steht, wenn es dezent gegen die Wand läuft. Als Praktikant an einer Schule ist die ganze Sache noch schlimmer. Man kennt die Klasse halt nicht und muss sich auf die Aussagen der eigentlichen Lehrkraft verlassen. „Secondhand-Infos“ können aber eigene Erfahrungen kaum ersetzen. Vor meinem Lehramtsstudium hatte ich auch keinen blassen Schimmer, wie viel Arbeit eigentlich (im günstigsten Fall) hinter so einer Unterrichtsstunde steckt. Gerade in Fächern mit hohem oder höherem Aktualitätsbezug und ständig wechselnden Möglichkeiten/Texten ist es schwierig immer auf dem Laufenden zu bleiben und die, mitunter knappe, Zeit so zu nutzen, dass sowohl Schüler, als auch Lehrer zufrieden aus dem Unterricht gehen. Vielleicht wäre es wirklich besser, wenn es mehr Blogs wie Schulwatch oder das Lehrerzimmer von Herrn Rau geben würde. Im besten Falle fördert dies die Kommunikation zwischen „beiden Seiten des Lehrerpults“.

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  1. Also ich muss mal sagen, dass es der Frontalunterricht wohl einer der schlimmsten Formen eines Unterrichts ist. Und das für beide Seiten. Wenn ich mir da andere Konzepte anschaue, welche vorwiegend aus dem skandinavischen Raum kommen, dann kann ich beim deutschen Frontalmodell einfach nur noch mit dem Kopf schütteln. Ich frage mich sowieso warum denn Deutschland so zögerlich ist diese Geisel des Frontalsunterrichts und der Klassen abzuschaffen und wie z.B. an der Futurum-Schule in Schweden die Heranwachsenden eher in einem welt- und interessenbezogenen Kontext lernen lässt(!). Denn es ist keine Frage das Kinder lernen wollen. Doch bei unserem verkrusteten System mit knallhart stupider Auslese vergeht „beiden Seiten des Lehrerpults“ das Lehren und Lernen.

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