Neues und Nostalgisches (muss auch mal sein)

Ich plage mich ja schon länger mit dem Gedanken mal etwas mehr über meine Heimatstadt zu schreiben. Immerhin habe ich da gute 21 Jahre gelebt und auch heute zieht es mich ab und an noch in die heimatlichen Gefilde. Was mich dann aber dazu gebracht hat den Gedanken in die Tat umzusetzen war ein Besuch auf der Internetseite der Stadt Aurich. Dort stolperte ich über (für mich) neues und für mich alt bekanntes. Neu für mich waren irgendwelche Kampagnenbilder des SMA- Stadtmarketing Aurich. Aurich hat es ja schon mit unsäglich vielen Kampagnen versucht. Die, die bis heute andauert ist wohl dieses komische Auge und der Spruch „Ich seh dich in Aurich“.

Marketingkampagne SMA

Ich hab schon früher nicht den tieferen Sinn verstanden, noch fand ich die Aktion je wirklich gut. Auch „Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur die falsche Stadt“ (war das vom SMA? wahrscheinlich) war jetzt nicht der Brüller, aber wenigstens eine fast philosophische Aussage. Was ich aber jetzt auf den Seiten entdeckte, das schlug dem Faß irgendwie den Boden aus. Die Kamapgne nennt sich, scheinbar, treffenderweise „Die Kampagne des Auricher Stadtmarketing„. Ja, wir Ostfriesen waren schon immer gut darin uns irgendwelche Namen auszudenken. Die Kampagne besteht aus Bildern mit „griffigen“ und „tollen“ Slogans. Zumindest kann ich der Seite nicht mehr entnehmen. Okay, einen Videoclip gibt es noch. Aber zu den Bildern. Da findet sich zum Beispiel dieses Schmuckstück hier:

SMA Kampagne

„Kaufen sie doch einfach da, wo es schön ist.“ Dass die Macher auf die Ausrufezeichen am Ende des Satzes verzichtet haben, ist auch schon das einzig positive, was ich darüber zu sagen vermag. So vor knapp 10 Jahren, da lud die Auricher Fußgängerzone, von der man einen Teil auf dem Foto sieht, noch zum Bummeln ein. Nur heute ist dem nicht mehr so, es sei denn man steht auf Klamotten und Schuhe. Wo sich heute New Yorker, H&M und alles mögliche andere tummelt, gab es früher die verschiedensten Läden. Vom Mittagessen bis hin Elektronik, Spielwaren und Sportgeräten konnte man alles kaufen. Verteilt auf wenige Meter Fußmarsch. Bänke luden dazu ein, sich kurz hinzusetzen oder Touristen zu veralbern (war jahrelang meine liebste Nachmittagsbeschäftigung). Heute gibt es fast nur noch solche Dinger, wie hier zu bestaunen:

SMA Kampagne

Aber die Seehunde (Robben?) sind ja sowas von niedlich!

Das ist aber eigentlich noch alles recht harmlos, im Gegensatz zum folgenden Prunkstück der Sammlung.

SMA Kampagne

In Aurich lässt sich verdammt gut sündigen, auch wenn es die Kupferkanne nicht mehr gibt und die junge Dame auf dem Bild nicht mein Typ ist. Aber das sind angenehme und auch irgendwie verzeihbare Sünden, außer für den einen oder anderen Katholiken oder Sektierer. Was aber eine unverzeihliche Sünde ist, ist diese Frage auf einem Bild vom Sous-Turm zu stellen! Für alle, die nichts mit diesem Turm anfangen können, eine kurze, recht treffende Beschreibung:

Sous Turm

Für die einen das Monstrum, und für die anderen ein Kunstwerk.
Der Sous-Turm ist in 7 Blöcken unterteilt. Verschiedene Zivilisationsstufen sollen dargestellt werden. Mit zunehmender Höhe gelangt man in höhere Zivilisationsstufen.
I. Vier schmucklose und nüchterne Beine stehen auf dem Boden. Nüchtern nach Ostfriesenart.
II. Es folgt ein kastenähnliches Bauwerk mit 4 Eckpfeilern und Schrägstreben. Im oberen Teil münden 4 Hörner als Ausbuchtungen. Sollen evtl. Hornviecher symbolisiert werden?
III. Nun ist ein Riesenrohr mit Leichtmetallnetzen zu sehen.
IV. In diesem Block wird das Rohr aus III. durch eine Plexiglaswand abgeschirmt.
V. Es erscheint ein Plexiglasrohr mit 6 Fenstern und dunklerem Glas. Der Blick ins Innere wird verwehrt. In diesem Block ist ein windmühlenähnlicher Flügel, ein nach oben gebogenes Rohr und ein fächerähnlicher Gegenstand zu sehen.
VI. Ein langes Rohr mit dichtem Gitterwerk bildet die nächste Stufe. Es finden sich hier schwer erkennbare Wesen.
VII. Abgeschlossen wird der Turm mit einer kirchturmähnlichen Spitze ähnlich der Spitze der Lambertikirche.

Quelle

Eine schöne andere Bezeichnung für das Ding ist „Auricher Tauchsieder“, auch die Beschreibung auf Wikipedia beinhaltet die eine oder andere Formulierung, welche zum Schmunzeln anregt:

Sous-Turm – Um dem größten Marktplatz Ostfrieslands eine Sehenswürdigkeit zu geben, beauftragte die Stadt Aurich den Aachener Künstler Albert Sous eine Plastik zu entwerfen. 1990 wurde das Kunstobjekt, ein 25 Meter hoher Turm, der aus mit Plexiglas verkleidetem Stahlrohr besteht aufgestellt. Die Baumaterialien sind im wesentlichen Abfälle aus dem Forschungszentrum Jülich. Durch die Reihen der Auricher ging ein Schrei des Entsetzens. Am Turm selbst ist ein Schild angebracht, welches auf die Auseinandersetzungen über den Sous-Turm eingeht. Zitiert wird hier der Emder Publizist Henri Nannen mit den Worten: Der Turm in Aurich ist anstößig, und Kunst muss Anstöße geben, also anstößig sein. Der Turm soll verschiedene Zivilisationsstufen darstellen. Doch wie häufig bei moderner Kunst, erschließt sich der Sinn des Werkes oder die Absicht des Künstlers nicht auf den ersten Blick. Die Interpretation bleibt dem Betrachter überlassen. Unter Aurichern heißt das Werk inzwischen „Auricher Tauchsieder“ oder auch schlicht „futuristischer Schrotthaufen“, manchmal sogar „Weltraumpenis“. Bei Besuchern und Gästen der Stadt ist es allerdings ein beliebtes Fotoobjekt

Weltraumpenis ist mir allerdings auch unbekannt. Ein ehemaliger Bekannter drückte die Sache mal ganz treffend aus. Touristen fragten uns, wie man den Turm denn nenne? „Scheiße“, war die prompte und kurze Antwort.

Aber genug der Unkenrufe, zumindest bis sich herausstellt, dass die „Sonne von Aurich“ ein Reinfall wird.

Es gab auch Schönes auf der Seite zu entdecken (also auf der Seite von Aurich, nicht auf der Seite vom SMA). Dort wird jeden Monat eine Auricher Firma vorgestellt. Und diesen Monat war es der „Lampen Service“. Karl-Heinz Langhoff! Gibt es eigentlich einen Auricher, der ihn nicht mag? Ihn und sein kleines, aber erstaunlich gut sortiertes Lädchen? Wie oft war ich da drin um eine Glühbirne zu kaufen, nur um eine halbe Stunde oder mehr mit Karl-Heinz zu quatschen? Irgendetwas hatte er immer zu erzählen oder zu zeigen. So viel Geschichte auf so wenig Quadratmetern, herrlich.

Lampen Service Langhoff

Da drin steht sogar ein Bild, auf dem mein Vater zu sehen ist. Das Beste ist Karl-Heinz allerdings in seiner Freizeit. Dort trägt er nämlich fast ausschließlich Motorradkluft. Und immer ein freundliches Wort oder ein freundliches Lächeln auf den Lippen. Das ist Auricher Urgestein, wie ich es liebe. Gibt leider nicht mehr viel von der Sorte. Hans-Johann von Essen wäre da aber auf jeden Fall noch zu erwähnen.

*seufz*

Das macht Aurich aus, liebes SMA. Wie wäre es mal mit einer Kampagne mit Aurichs Bewohnern und den Leuten, die diese Stadt doch irgendwie liebenswert machen?

0 Gedanken zu „Neues und Nostalgisches (muss auch mal sein)“

  1. Jo, der Heini ist schon ein echtes Auricher Merkmal. Jeder kennt ihn, jeder mag ihn. Ich aber vor allem wegen „Mench Jench“ *fg*

    Du hast in Deiner Aufzählung neben H&M und New Yorker noch die zahlreichen Apotheken vergessen, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Ich vermisse auch so etliches, vor allem den urigen Marktplatz, aber so isser wohl, der Wandel der Zeit *seufz*

    Liebe Grüße aus der Heimat,

    Melli

Kommentar verfassen