Zeit der Solidarisierung?

An manchen Tagen sollte ich morgens darauf verzichten meinen Rechner anzuschalten. So ein Morgen war heute. Ich bin ja, trotz Änderungen der AGB, noch Mitglied in einer gewissen Community, dem Facebook aus Amerika nicht unähnlich. Und diese Community benachrichtigte mich, dass jemand neues mein Freund werden will. Da sich da immer noch ständig neue Leute anmelden ist das ja auch nichts ungewohnliches und so schwer bin ich dann auch nicht zu finden. Und an sich ist es mir auch fast völlig egal, wer von meinen, auch eher flüchtigen, Bekannten auf meine Freundesliste will. Manche Anfragen wundern mich dann aber doch und genau so eine fand ich heute morgen in meinem eMail-Postfach.

Wie die meisten Menschen ab einem gewissen Alter habe auch ich Exfreundinnen. Nicht jede Beziehung war dabei traumhaft, geschweige denn jede Trennung. Alles ganz normal halt. Nur manchmal zeigen ehemalige Beziehungen recht späte, aber dafür amüsante Nachwirkungen. Eine junge Dame, mit der ich einst mal zusammen war, hatte mich verlassen und recht kurz darauf einen neuen Freund. Fand ich damals weniger amüsant, aber irgendwann sieht man es halt lockerer, sieht darüber hinweg und schafft es dann doch wieder zu einem halbwegs normalen Umgang(ston). Nur mit meinem „Nachfolger“, einem Bekannten, wurde ich seitdem nicht mehr so richtig warm, auch wenn sich das mit der Zeit auch gebessert hat. Man sagt sich halt Hallo, wechselt das eine oder andere Wort aber da hört es dann eigentlich auch schon auf. Mittlerweile haben sich die beiden aber auch wieder getrennt, was mich an sich ja nur bedingt zu interessieren hat, geschweige denn interessiert. Er ist nun halt ähnlich alleine, wie ich es damals war.

Was das ganze jetzt mit dem Anfang des Textes zu tun hat? Ganz einfach: ratet mal, von wem ich heute eine Freundschaftseinladung im Postfach hatte? Genau, vom neuen Single. Und die Vorgeschichte ist halt wichtig um zu wissen: Als „Freund“ würde ich ihn jetzt nicht unbedingt bezeichnen, noch nicht einmal als wirklichen Bekannten. Die Zeit in der ich das getan hätte ist schon etwas länger her. Aber ich schweife ab. Ich sehe auf jeden Fall den Namen vor der Anfrage und dachte so bei mir: „Was zum Teufel? Womit habe ich das denn jetzt verdient? Verbrüderung? Zeit der Solidarisierung mit anderen Exfreunden?“ Da es mir trotz allem recht egal ist, wer so auf meiner Freundesliste steht, willigte ich dann halt ein. An sich ja eine recht noble Geste, oder? Man soll ja immer verzeihen, neue Chancen gewähren und sowieso nicht so nachtragend sein. „Und außerdem ist das nur eine Art „abschließende“ Geste, der wird sich nie wieder melden, wenn er erstmal auf der Liste steht!“, dachte ich so bei mir. Ein Posting in der Form von “ o.O “ in seine Richtung konnte ich mir dann aber doch nicht verkneifen.

Die Sache ging dann aber doch noch weiter und ich muss sagen: Das hat mir dann doch irgendwie den Tag gerettet. Ein paar Stunden später guckte ich nämlich wieder in mein Postfach und es teilte mir mit, dass ich eine Nachricht in besagter Community bekommen hätte und zwar von meinem neuen Freund…

Was soll ich sagen? Er will sich tatsächlich solidarisieren und mit mir was trinken gehen! So nach dem Motto „Ich weiß ja jetzt wie es damals für dich war“. Ich musste recht laut lachen, als ich das gelesen hatte und die Leute um mich herum haben etwas irritiert geguckt. Aber was soll’s, solange er die Getränke zahlt…

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