„Aber nur unter Vorbehalt“

Am Montag ist bei uns an der Fakultät ja das Projekt „Fakultät ohne Rassismus“ gestartet. Was genau das bedeutet habe ich ja schon hier erklärt.
Vorhin habe ich zusammen mit einigen anderen Unterschriftenlisten durchgesehen und verglichen und neben der nahezu unleserlichen Schrift so mancher Kommilitonen, fiel mir besonders eins ins Auge. Da hatte doch glatt jemand seinem Namen den Vermerk „unter Vorbehalt“ hinzugefügt.

Bitte was? Welcher Vorbehalt denn bitte? Gucken wir uns doch noch einmal das an, was da eigentlich unterschrieben wird:

1. Ich werde mich dafür einsetzen, dass es zu einer zentralen Aufgabe meiner Fakultät wird, nachhaltige und langfristige Projekte, Aktivitäten und Initiativen zu entwickeln, um Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, zu überwinden.

Hmm…welchen Vorbehalt könnte man da haben? Vielleicht nur kurzfristige Projekte? Oder keine Lust auf „Ich werde mich dafür einsetzen…“? Studenten sind ja allgemein sehr faul.

2. Wenn an meiner Fakultät Gewalt, diskriminierende Äußerungen oder Handlungen ausgeübt werden, wende ich mich dagegen und setze mich dafür ein, dass wir in einer offenen Auseinandersetzung mit diesem Problem gemeinsam Wege finden, einander künftig zu achten.

Was sagt das eigentlich aus? Doch nur Zivilcourage, oder? Und offene Auseinandersetzung. Das klingt auch irgendwie nach Arbeit. Und da Zivilcourage und eigenständiges Denken ja schon seit ewigen Generationen aus der Mode ist…
Ja, hier könnte wirklich der hase im Pfeffer liegen. Ich versteh das. Ehrlich.

3.Ich setze mich dafür ein, dass an meiner Fakultät mindestens ein Mal pro Jahr ein Projekt zum Thema Diskriminierungen durchgeführt wird, um langfristig gegen jegliche Form von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, vorzugehen.

Schon wieder dieses garstige ich. Kann jawohl nicht sein. Würde da stehen „Die Fakultät setzt sich…“, dann hätte man ja noch die Möglichkeit den schwarzen Peter von sich selbst wegzuschieben. Aber so? So ist man ja selbst irgendwie in der Pflicht. Ungeheuerlich, so geht das gar nicht. Wenn ich jetzt so drüber nachdenke, dann hat die Person, die diese Punkte nur „unter Vorbehalt“ unterschrieben hat gar nicht so unrecht. Diese Aktion verlangt echt mehr vom durchschnittlichen Studenten, als realistisch ist. Zivilcourage, Initiative, grässlich!

Was? Das ist diskriminierend und klischeehaft? Ach, bleibt mir doch weg…

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