Voll die Versammlung

Als Vollversammlung will ich das, was es heute an der Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften gab nun bei aller Liebe nicht bezeichnen. Allerdings habe ich, wie hier schon angeklungen, doch etwas mehr Beteiligung erwartet. Der Raum war zwar so gut gefüllt, dass irgendwann die Luft etwas knapp wurde, aber es waren dann doch unter 91 Personen versammelt.
Auf diesem, eher kleinen, Kaffeekränzchen ging es aber trotzdem relativ hoch her. Der gesunde Zyniker war übrigens auch da und hat mir dieses Mal schon so einiges vorweg genommen. Aber schön, dann ist wenigstens etwas gescheites bei den zwei Stunden rumgekommen. Die Versammlung an sich war nämlich irgendwie für den Eimer.
Nach einem kurzen Abriß über die Situation und einer Zusammenfassung der jüngsten Ereignisse wurde das Wort ans Plenum übergeben, um eine Diskussion zu starten. Die erste Person, die sich zu Wort meldete, machte dann auch irgendwie den Eindruck, dass sie sich gleich übergeben müsse. Den vor ihr sitzenden zu Liebe, hat sie es dann aber doch gelassen und nur mal dargestellt, wie schön zwar der Aktionismus ist, aber wie sehr die Herren und Damen Aktionisten damit doch auf die gewählten studentischen Vertreter einprügeln. Da die Initiatoren der gesamten Sache mitunter nicht viel von der Meinung oder gar der Arbeit der Gremienvertreter hielten, oder nach diesem Abend wahrscheinlich halten, war diese Ansprache durchaus gerechtfertigt. Zumindest empfindet man so, wenn man schon etwas länger versucht, bei der Entwicklung der Fakultät mitzuwirken. Für alle anderen war es wohl einfach nur Kritik und Kritik ist böse. Vor allem, wenn man blond und vom eigenen guten Aussehen überzeugt ist. Vielleicht dann noch gepaart mit angeborener oder angeeigneter Arroganz. Dann hört man nicht die Worte, sondern den Tonfall.

Natürlich will hier niemand das Engagement von studentischen Initiativen schlecht machen. Es ist selten genug, dass Studenten mal wirkliche Initiative zeigen. Aber muss diese Initiative dann gleich über jedwede Kritik erhaben sein? Muss diese Initiative dann das einzig Wahre sein? Und vor allem: Muss man Personen, die einfach mal wirklich Ahnung haben belächeln? Undank ist der Welten Lohn…

Bedenkt man die Wortmeldungen so mancher anderer Studenten, dann erscheint die Initiative allerdings gleich in einem etwas besseren Licht. Die Aktionisten hatten zwar, trotz mehrerer aktueller oder früherer Gremienvertreter, von den Strukturen an der Uni keine Ahnung, haben sich aber letztendlich doch ein kleines bisschen Realismus bewahrt. Andere hingegen ließen dann solche Sachen vom Stapel, wie:

>>Die Forderungen dürfen nicht allzu konkret sein. Sind sie zu konkret , dann können sie leicht erfüllt werden und damit wird der Protest unterbunden!<<

Hab ich was verpasst? Geht es nicht eigentlich bei einem Protest darum, bestehende Ordnungen zu verbessern und sich zu freuen, wenn man etwas erreicht hat? Oder ist neuerdings der Protest das einzige, wofür es sich lohnt aufzustehen? Wahrscheinlich ist gut eingeteilter und bewußt gemachter Mangel besser, als ein vernünftiges Essen. Bei wohl rationiertem Mangel kann man wenigstens noch hoffen. Wäre ja schlimm, wenn sich Hoffnungen neuerdings erfüllen würden, da könnte man ja zufrieden werden. Grausame Vorstellung.

Sehr interessant war auch der Kommilitone im Plenum, der ähnlich radikale Meinungen vertreten hat. Da wurde an Stühlen gesägt und was weiß ich nicht noch alles. Getrübt wurden die Ausführungen allerdings von dezenter Unkenntnis grundlegender Faktoren. Im Gegensatz zu so manch anderem kannte der nette Herr zwar die Unterschiede zwischen dem Dekan (Leiter der Fakultät) und dem Rektor (Leiter der Uni) und hatte wohl auch schon einmal irgendwo den Namen des Rektors gelesen. Aber wirklich nur kurz. Da kann man schon einzelne Buchstaben übersehen und aus einem kurzen Vokal einen langen machen. Um einen Vergleich zu bemühen: aus der „Polle“ wurde der „Pole“. Hat mich eigentlich gewundert, dass niemand angefangen hat „Wenn jetzt Sommer wär“ von Pohlmann vor sich hin zu summen…

Natürlich bleibt jetzt abzuwarten, was so als nächstes passiert. Ich wünsche dem Arbeitskreis natürlich von Herzen Glück. Und ich hoffe, für die Studenten hier an der FGSE, dass sie nicht nur Porzellan zerschlagen, sondern eine Verbesserung der Situation erreichen. Als Motto würde ich ein Zitat von einer der Initiatorinnen vorschlagen.

>>“Wir wussten halt nicht wo wir die Infos herbekommen sollen.<<

Ich werde den geneigten Leser natürlich über die Fortschritte auf dem Laufenden halten…

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