C.²

Wer von uns kennt sie nicht, diese Schließfächer im Eingangsbereich mancher Geschäfte. Manche Geschäfte sind so freundlich und stellen solche Aufbewahrungsmöglichkeiten für ihre Kunden bereit, damit diese ihre Taschen dort deponieren können. Und nun mal ehrlich: wer gibt schon jedes Mal seine Sache ab, wenn er ein Geschäft betritt? Ich persönlich mache das meistens nur, wenn ich Dinge dabei habe, die es auch in dem Geschäft zu kaufen gibt und ich nur mit Mühe beweisen könnte, dass ich die Sachen woanders gekauft habe und sie nicht gerade eben im Laden entwendet hab. Allerdings verzichte ich meistens drauf, wenn das Geschäft diese elektronischen Diebstahlsicherungen hat, die so penetrant piepen, wenn man etwas nicht bezahlt hat oder das Bezahlte nicht korrekt entwertet wurde.

Mein Nachbarin mag sich wohl ähnliches gedacht haben, als sie neulich ein Elektronik-Geschäft betrat. Gut, vielleicht war auch etwas Gedankenlosigkeit dabei. Sie wollte ja nur neue Druckerpatronen kaufen und rannte, die Bezeichnung des Druckers vor sich hin murmelnd, mit Sack und Pack in das Geschäft. Zu diesem Sack und Pack gehörte nun auch eine Laptoptasche mitsamt Laptop. Mit dieser betrat sie also das Geschäft, vorbei am Infoschalter und dem Sicherheitsdienst. Keiner hielt sie auf. Okay, ich weiß nicht genau wie viel los war und ob das Personal es registrieren konnte, dass da jemand den Laden mit einer Tasche betritt, die man eigentlich abgeben sollte.

Die Suche nach den Druckerpatronen und das Anstellen an der Kasse verlief auch soweit ohne Probleme. Beim Bezahlen ging der Spaß dann aber los. Die Kassiererin deutete auf die Laptoptasche und fragte:
>>Is‘ da’n Laptop drin?<<
Gut, was soll man auf so eine Frage antworten? Ich hätte wahrscheinlich versucht eine Neuauflage von Schrödingers Katze anzustreben. Schrödingers (oder C.s) Laptop wäre doch auch mal was.
>>Vielleicht ist da ein Laptop drin, vielleicht auch nicht. Das kann man vorher nicht so genau sagen. Erst beim Öffnen könnten wir Gewissheit erlangen. Hat was mit Quanten und so zu tun, wissen sie?<<
Diese Antwort hätte die Verkäuferin wahrscheinlich restlos überfordert, aber ich stand ja auch nicht da an der Kasse, sondern meine Nachbarin. Diese wählte auch die einfachere Antwort:
>>Ja!?<<
Verkäuferin: >>Haben Sie den mitgebracht?<<
Ich finde ja, dass diese Verkäuferin Fragen stellt, die eine blöde Antwort nahezu herausfordern. Meine persönlichen Antwortfavoriten wären ja folgende gewesen:

>>Nein, den hat mir im Laden jemand geschenkt. einfach so, kann ich mir auch nicht erklären.<<

>>Nein, ich hab den eben geklaut und lasse mich gerade von Ihnen erwischen. Was denken Sie denn?<<

>>Kann ich das Publikum fragen?<<

Aber wie schon erwähnt war es ja nicht an mir zu antworten. Die Antwort fiel also wie gewohnt aus:
>>Ja?!<<
Diese Antwort war zwar wahrheitsgemäß, brachte den Stein aber erst richtig ins Rollen. Die Verkäuferin antwortete nämlich mit einem lapidaren
>>Dann müssen wir den einbehalten!<< und rief den Sicherheitsdienst. Dieser stiefelte auch brav heran und blieb, einen Kopf kleiner wie er war, neben C. stehen. Diese war mittlerweile reichlich irritiert und versuchte an den gesunden Menschenverstand der Verkäuferin zu appellieren. Sie führte, quasie als letzte Bastion, die knallharten Fakten ins Feld:

– Desktophintergrund zeigt sie und ihren Freund
– sie kennt das Passwort
– es befinden sich ihre Dateien auf dem Rechner, u.a. Dateien fürs Studium

Der erhoffte Erfolg stellte sich allerdings nicht ein. Die Kassiererin faselte etwas von Eigentumsschein, einschließen usw., bot aber wenigstens an, dass wichtige Dateien ausgedruckt werden könnten (vor Ort) bevor der Laptop einbehalten wird. Wahrscheinlich haben die da ständig mit Dieben zu tun, die sich mitten in den Laden stellen und unter zu Hilfe nahme von einer ganzen Batterie USB-Sticks die Laptops so bespielen, dass sie aussehen, als wären sie schon seit Ewigkeiten Privateigentum und nicht erst gerade aus dem Laden geklaut.
Nun frage ich mich allerdings, was die genau mit dem Laptop gemacht hätten um nachzuprüfen, ob der gerade erst geklaut oder wirklich nur mitgebracht wurde. Welche tiefgründigen Erkenntnisse hätten sie erlangen können? Wären die mehr wert gewesen als die Erkenntnisse, die einem beim simplen Anschalten gekommen wären?

C. dachte sich wohl ähnliches und schickte sich an einfach zu gehen, woraufhin die Kassiererin zwar nicht anfing Zeder und Mordio zu schreien, aber eine Geldstrafe in Aussicht stellte. Dem folgte nun eine erneute, kurze aber hitzige Diskussion zwischen C. und der Verkäuferin – hat der Sicherheitsmensch eigentlich auch was beigetragen? -, welche von der Verkäuferin mit folgendem Satz beendet wurde:
>>Nun beruhigen Sie sich doch mal wieder. Beim nächsten Mal wissen Sie Bescheid und werden ihren Laptop einschließen, bevor sie das Geschäft betreten.<<

Ich spare mir hier und jetzt weitere Kommentare…

0 Gedanken zu „C.²“

  1. *brüll*
    Saturn ist so toll…aber das mit dem USBäh is gar nich so weit hergeholt…und ich brauch eigentlich auch noch nen neuen Laptop…

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