C.

Ich habe ja schon ab und an meine Nachbarin erwähnt. So langsam denke ich darüber nach, ob sie nicht eine eigene Kategorie bekommt. Aber erstmal muss es so gehen. Meine Nachbarin, das ist die C., die neuerdings mit der K. zusammenwohnt. Die beiden sind an sich ja schon ein recht putziges Gespann, vor allem, wenn man sie in die Nähe von Technik lässt. Ich hab keine Ahnung wie die das immer hinbekommen, auf jeden Fall habe ich beschlossen keine technischen Geräte an die beiden zu verleihen. Die gehen nämlich mit hoher Wahrscheinlichkeit einfach kaputt, natürlich immer ohne dass etwas gemacht wurde.

Gestern war wohl wieder einer dieser Tage, an dem den beiden nichts so recht gelingen wollte. Ein bisschen was davon hab ich im Nachhinein und manches davon live erlebt. Seid gespannt.

So wollte die liebe C. mit ihrem Freund CH. telefonieren. CH. verteidigt aber gerade seine Liebsten am Hindukusch (oder irgendwo da) und dementsprechend schwierig ist es ihn zu erreichen. Wenn dann die Soldaten auch noch schlafen wird die ganze Sache erst recht schwierig. Über schlafende Soldaten wollte ich aber eigentlich nicht berichten. Nachdem das Gespräch also in aller Stille abgelaufen ist (um den Stubenkollegen nicht zu wecken), trudelten ich und meine Praktikantin bei C. ein, trennten uns wieder um hochgeistige Getränke zu besorgen und trafen uns dann wieder. Ein ziemliches hin und her, was in Schreien aus der Küche gipfelte.

Was war passiert? Ist der Hindukusch nach Deutschland gekommen? Hatte sich das Auto, auf Grund der Behandlung durch C.-und-K.-Wir-haben-doch-gar-nichts-gemacht in eine rachsüchtige Neuauflage von Kings „Christine“ verwandelt und eine unheilige Allianz mit dem Küchenradio begonnen? Weit gefehlt…

… C. hatte nur versucht eine Schranktür zu öffnen und diese dabei aus der Verankerung gerissen.
>>Aber ich hab die Tür doch nur aufgemacht!<< Jaja, eigentlich nichts gemacht…kommt mir bekannt vor. Noch jemandem?
Die böse, böse Schranktür bekam natürlich kurz darauf die Quittung in Form eines Trittes und C. darauf wiederum die Quittung, da sie jetzt schreiend und fluchend durch die Küche hopste. Meiner Meinung nach kann sie ihrem großen Zeh nur dankbar sein, denn der hat den Fuß wahrscheinlich vor schlimmerem bewahrt. Die Schranktür juckte dies allerdings recht wenig, sie stand weiter unbekümmert an der Wand. Ich meine aber ein leicht süffisantes Grinsen in der Maserung entdeckt zu haben.

Während C. so durch die Küche hopste, überlegte ich, ob ich sie darauf hinweisen sollte, dass der BH nicht zum Oberteil passte…entschied mich aber dagegen und bemerkte nur, dass sie einen Ebola-Virus auf den Hinterbacken habe. Kennt ihr diese neumodischen Jeans, die nicht ohne irgendwelche Verzierungen und Stickereien auf den Arschtaschen auskommen? Da finden sich Krönchen, Querschnitte von Eierstöcken, topographische Karten und alles mögliche andere. Ihre Verzierung sah halt irgendwie aus wie ein Ebola-Virus. Oder wie irgendein Wurm. Vielleicht braucht sie mal ne Wurmkur? Ich sollte sie fragen.
C. schien in dem Moment allerdings nicht recht zugänglich für meine tiefsinnigen Bemerkungen und quittierte sie nur mit einer ihrer unnachahmlichen Kopf-rumwerf-und-böse-guck-Bewegungen.

Inzwischen wollte sich auch die Praktikantin in die Geschehnisse einbringen und verteilte Kirschporter auf dem Boden und auf ihrer Hose. Ich wäre ja dafür gewesen über die Kirschporterflecken auf dem Küchenboden noch Schokostreusel zu verteilen um hübsche Muster zu erzeugen, aber dieser Vorschlag traf mal wieder nicht auf Gegenliebe. Frauen. C. spendete der Praktikantin dann noch eine rosa-Hartz-IV-Empfänger-Jogginghose1. Praktikantin nahm dankend an, wechselte aber später am Abend, kurz vor dem Nachhausegehen, doch wieder die Hose, Flecken hin oder her.

…und im Radio lief „Bittersweet Symphony“. Manchmal stimmt das Timing einfach.

Ab da lief der Abend eigentlich recht ereignislos ab. Nach eingehender Beschäftigung mit Glühwein und Bier stellte C. noch fest, dass Dr. Best schon in ihrer Jugend sehr alt gewesen und mittlerweile tot sei, was mich zu der Frage brachte: Gegen wen sind jetzt eigentlich die Zähne von „Wir sind Helden“?

C. hat übrigens Pittiplatsch weggeworfen und fürchtete darum, dass sie jetzt nachts von der Ostbrigade (Schnatterinchen, Sandmann und Plums) erwürgt wird. Hab eben mit ihr gesprochen, sie scheint also noch mal Glück gehabt zu haben.

Bin übrigens dafür, dass sie ab morgen jeden Tag eine Schranktür rausreißt. Wäre mal ein neue Form des Adventkalenders. Und erst ab morgen, denn die erste Tür hat sie ja schon gestern aufgemacht.

PS: Aus dramaturgischen Gründen sind die Vorkommnisse nicht unbedingt chronologisch richtig angeordnet. Passiert sind sie aber wirklich, auch wenn es unglaublich erscheint.

1 Womit ich natürlich keinem Hartz-IV Empfänger zu nahe treten möchte

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