Schrankvermietung

Bevor manche jetzt anfangen zu jubeln: Nein, es kommt keine neue Schrankepisode, zumindest nicht in dem Sinne. Mein Schrankkoffer befindet sich momentan an einem ganz geheimen Ort. Dieser Ort ist so geheim, dass selbst ich ihn momentan nicht finde. Aber das Prinzip ist ja nicht an Die Ur-Idee gebunden, sondern kann fröhlich weiter benutzt werden. Momentan denke ich nämlich darüber nach das Prinzip zu vermieten. Um dies näher zu erklären, ein kleiner Exkurs:

Schrank
Wahnvorstellung, Rückzugspunkt und Spiegel in einem

Das ist das, was den Schrank in kurzen Worten schon immer ausmachte. er war ein Rückzugsort vor der manchmal verwirrenden Realität, auch wenn dieser Rückzugsort manchmal an kafkaeske Welten erinnerte. Trotzdem war dieser Rückzugsort wichtig um die „Realität“ mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und dieser Realität und sich selbst einen Spiegel vorzuhalten. Gut, natürlich war der Schrank auch eine Wahnvorstellung, denn kein geistig gesunder Mensch denkt sich sowas aus, oder? Auf jeden Fall begegnen mir in letzter Zeit immer mehr Menschen, die einen eigenen Schrank gebrauchen könnten. Ach was, Menschen! Ganze Institutionen! So zum Beispiel die Universität. Man sollte ja eigentlich davon ausgehen, dass so eine Universität einer Art Leitbild folgt (zumindest erzählen u.a. die Pädagogen gerne so ein Gedöns) und dass so einer Institution daran gelegen ist ihren Angehörigen eine möglichst konstruktive und angenehme Atmosphäre zu schaffen. Dies gelingt oberflächlich auch ganz gut…interessant wird es, wenn man etwas tiefer bohrt.

Unter der „Wir sind Uni“-Schale herrscht nämlich scheinbar die schönste Mein-Feuer-dein-Feuer-Mentalität. Es ist echt erstaunlich, wie gerne doch einzelne Teile der großen Organisation Uni, namentlich die Institute, anderen Einzelteilen, nämlich anderen Instituten, an den Karren fahren. Konkurrenzverhalten ist sicherlich einer Weiterentwicklung irgendwie förderlich, aber irgendwann ist auch mal gut. Nämlich dann, wenn das Ersatzteillager, die Studenten, anfangen darunter zu leiden. Da versuchen die Institute alles mögliche für die Bachelorstudenten zu tun. Jedes für sich natürlich, denn Zusammenarbeit (Interdisziplinarität) wird ja nur in der Theorie gefordert. Demnächst steht ja auch die Akkreditierung an und man will ja gut dastehen. Ich versteh das und wünsche den Bachelorstudenten auch von ganzem Herzen, dass sie eine möglichst gute Lehre bekommen. Wäre ich ein Institut, dann wäre das wohl anders. Bin ich aber nicht, ich bin Student. Allerdings gehöre ich zu den Studenten, die nicht ganz so viel Prestige einbringen. Mein Studiengang wird nämlich an meiner Uni nicht mehr immatrikuliert, ich bin schon viel zu lange da und außerdem schlägt sich die mir angedeihende Lehre zwar in der Lehre, aber nicht in der Forschung wieder. Ich habe nämlich immer noch vor, trotz einer an sich wissenschaftlichen und theoretischen Ausbildung, Lehrer zu werden. Ergo promoviere ich wahrscheinlich nicht, bringe die Forschung nicht weiter, fahre keine Drittmittel ein usw. Aber das nur so am Rande. Wenn man das Ersatzteillager wieder heranzieht gehören ich und meine Kommilitonen wohl zu den sperrigen Ersatzteilen, die viel Arbeit machen ohne die es aber nicht läuft. Wir werden eingebaut und unserem Schicksal überlassen.

Gut, ganz so schlimm ist es sicherlich nicht immer, aber es kommt einem manchmal so vor. Und wenn man dann auch noch versucht etwas an der eher schlechten Situation zu ändern und dadurch erstmal wirklich mitbekommt wie viele einzelne Feuerchen so geschürt werden, dann, ja dann kommt man auf den Gedanken Schränke zu vermieten. Damit die tapferen Feuerstellenbewacher mal mitbekommen, wie schwer sie es dem „Nachwuchs“ eigentlich machen. Wie schwierig es manchmal ist der Situation (oder der Ausbildung) noch einen praktischen Nutzen abzugewinnen. Wo bleibt der Mehrwert für die Studenten? Wo bleibt der Mehrwert für das spätere Leben? Wie lange kann man sich hinter solchen Floskeln wie „Mehrwert“ eigentlich verstecken? Zumindest Gremien gucken gerne nach dem Mehrwert für Studenten, aber auch das wäre jetzt ein Thema für sich. Ich glaube ich vergebe am Ende des Semesters Gutscheine für eine Schrankrundfahrt an die Dozenten, Studenten und Mitarbeiter.

Nach all den negativen Worten muss ich aber nochmal klarstellen, dass natürlich nicht alle so sind! Es gibt auch durchaus Mitarbeiter, die sich für die Belange der Studenten auch institutsübergreifend interessieren und einsetzen. Und damit meine ich nicht nur die beiden netten Damen in der Mensa…

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