Das Sommerloch im Herbst

Das vielbeschrieene Sommerloch in den Medien scheint sich dieses Jahr bis in den Herbst auszudehnen. Nachdem Frau Roth und Herr Mixa etwas unschön aneinandergeraten sind, und Frau von der Leyen im August, also im eigentlichen Sommerloch, eine Broschüre der BZgA „bemängelte“ und so die Herstellung und Verbreitung stoppte, gibt nun ein Bischof Anlass für „Schlagzeilen“. Seit 2003, also seit mittlerweile 4 Jahren, tourt durch Deutschland ein Musical der BZgA. „Nase, Bauch und Po“ so lautet der Titel dieses Stückes und es geht um frühkindliche, sexuelle Aufklärung. Kinder ab 3 Jahren können dieses Musical besuchen. Gut, man mag über Sexualerziehung in dem Alter denken, was man will und mich persönlich wundert es jetzt nicht sonderlich, dass da irgendwann mal ein Vertreter einer religiösen Richtung nen Lauten machen muss. Gut…4 Jahre Reaktionszeit, aber wer stört sich schon daran. Es stört sich wohl auch niemand daran, dass das Musical von einer katholischen Organisation in die Gegend geholt wurde, die als Antwort auf den Ausstieg ihrer Kirche aus der staatlichen Schwangeren-Konfliktberatung gegründet wurde. Fast jeder kann ja meinetwegen so glücklich werden, wie er es für richtig hält. Auch glauben kann ja jeder an seinen eigenen Kram, aber muss man dafür unbedingt seinen gesunden Menschenverstand abschalten? In Zeiten der „Generation Porno“ sollte man vielleicht über alt hergebrachte Standpunkte nachdenken, wenn man dies noch nicht getan hat. Denn wie inflationär heute scheinbar das Wort „Liebe“ gebraucht wird, darüber sollten sich die Verfechter von Zucht und Ordnung mal wirklich Gedanken machen.

Aber auch ansonsten scheint sich die Berichterstattung noch nicht vom Sommerloch erholt zu haben. Ganz aktuell ist momentan die Angst vor dem „Überwachungswahn“, wobei die kritische Berichterstattung übder die Vorhaben in Deutschland und anderswo es irgendwie nicht schafft ein breites Publikum zu erreichen. Ich selbst hab bis vor kurzem jetzt auch nicht so viel von der ganzen Sache mitbekommen und bin daher bei Leibe kein Experte oder ähnliches. Auch muss ich zugeben, dass ich mir noch nicht ganz schlüssig bin was ich von der ganzen sache halten soll. Überwachung ja/nein? Wie viel, wie wenig Überwachung? Vorratsdatenspeicherung? Gläserner Bürger? Bundestrojaner? Bewegungsprofile?
Schlecht wird mir bei Texten wie folgendem aber schon irgendwie:

Anfang November entscheidet der Deutsche Bundestag über einen Gesetzentwurf, der die Erstellung von Kommunikations-, Bewegungs- und Internetnutzungsprofilen für alle Menschen in Deutschland vorsieht (sog. Vorratsdatenspeicherung). Die Zivilgesellschaft läuft seit Monaten Sturm gegen das verbreitet als verfassungswidrig angesehene Vorhaben. Nun ist ein Beschluss der Bundesregierung vom 28.09.2007 bekannt geworden, wonach Deutschland dem „Übereinkommen des Europarats über Computerkriminalität“ beitreten soll. Dieser Beitritt würde 52 Staaten in Europa und weltweit den Zugriff auf die ab 2008 in Deutschland zu speichernden Vorratsdaten eröffnen – nicht nur zur Verfolgung von Computerstraftaten, sondern jeglicher im Ausland mit Strafe bedrohter Handlung.

Quelle: http://www.vorratsdatenspeicherung.de/content/view/154/1/lang,de/

Und auch der Big Brother Award, den es schon seit 2000 gibt, erlangt irgendwie kaum Aufmerksamkeit, obwohl die „Preisträger“ schon ganz schön harten Tobak abliefern. Auf Grund persönlicher Favoriten bei Zukunftsvisionen favorisiere ich dieses Jahr den Preisträger aus der Politik

Der BigBrotherAward 2007 in der Kategorie „Politik“ geht an den Bundesminister der Finanzen, Herrn Peer Steinbrück, für die Einführung einer lebenslangen Steuer-Identifikationsnummer (Steuer-ID) für alle Einwohnerinnen und Einwohner der Bundesrepublik Deutschland.

Eine Steuer-ID geht mir persönlich zu sehr in Richtung einer sehr düsteren Zukunftsversion…

Auch sehr schön ist die Nicht-Auszeichnung von Schäuble. Aber das soll jeder selbst nachlesen.

Aber die drohende Sperrung einer Pornoseite für dt. Kunden scheint die Gemüter mehr zu erregen (hehe), als sämtliche Visionen eines drohenden 1984. Frei nach dem Motto: „Ich hab nichts zu verbergen, aber ich will wenigstens in Ruhe Selbstbefriedigung betreiben!“ Wenn man davon ausgeht, dass in Deutschland Jugendschutz im weiten bereich der „Erotik“ fast gleichbedeutend mit „bezahlen“ ist, dann kann man das wahrscheinlich eher verstehen. Überwachung kostet den Einzelnen ja scheinbar nichts, aber wenn es an die Selbstbefriedigung geht ist der Spaß vorbei!

Aber ich seh es schon kommen. Neben Demonstrationen gegen den Überwachungswahn mit Teilnehmerzahlen unter 200, finden demnächst wahrscheinlich Demonstrationen für freie Wichsvorlagen statt. mit Teilnehmerzahlen jenseits der 1000 . 😉

0 Gedanken zu „Das Sommerloch im Herbst“

  1. „Ich selbst hab bis vor kurzem jetzt auch nicht so viel von der ganzen Sache mitbekommen und bin daher bei Leibe kein Experte oder ähnliches.“

    Fühlst du dich denn schon, als würdest du was wissen? ^^

    Ansonsten: Ich hab ja auch schon bemerkt, dass das Sommerloch sich dieses Jahr extrem hin zieht. Dein Blog sollte viel mehr Publik gemacht werden. ;)Dann würde vielleicht auch mal jemand von den Entscheidungsträgern mitbekommen, was er so für Mist verzapft. Aber demnächst steht das hier ja wohl auch in den gespeicherten Vorratsdaten, dann können sie alle mal lesen…^^

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