Was Plüschtiere so ertragen müssen

Nachdem meine Praktikantin und ich vor kurzem wieder intensive Beziehungspflege betrieben hatten, kam mir irgendwann ein Gedanke. Ich betone: nachdem, nicht währenddessen! Ich hoffe damit sind alle Empörungsschreie schon im Vorfeld im Keim erstickt, damit ich meine weltbewegenden Gedanken fortführen kann…

Also, ich fing an mir über meine Plüschtiere, bzw. Plüschtiere im Allgemeinen Gedanken zu machen. Was müssen die armen, kleinen Viecher alles erleiden? Wie grausam und frustrierend muss so ein normaler Tag im Leben eines Plüschtieres sein?

Das Ganze fängt doch schon morgens an. Das Plüschtier, nennen wir es mal Plüschi, und seine Freunde haben es endlich geschafft einzuschlafen, eingeknüllt zwischen den Kissen oder begraben von ihren Besitzern. Aber man ist ja flexibel, wenn man fast nur aus Stoff besteht. Aber dann bricht morgens plötzlich Hektik los, muffelige Menschen quälen sich aus dem Bett, kaum ein nettes Wort füreinander übrig und erst recht nicht für Plüschi und seine Freunde. Kein „Entschuldige, dass ich wieder die ganze Nacht auf dir lag!“, oder „Es tut mir wirklich leid, dass ich dich im Schlaf so unsanft unter die Kissen gedrückt habe!“. Man mag sich die Enttäuschung der Viecher wirklich vorstellen. Am liebsten würden sie rufen: „Entschuldige dich gefälligst! Deine Freundin drückst du ja auch nicht nachts unter die Kissen, oder?“ Da Plüschtiere aber nun mal leider etwas eingeschränkt in ihren verbalen Fähigkeiten sind, bleiben solche Protestrufe aus.

Wenn die Menschen dann weg sind beginnt wahrscheinlich der lustigste Teil im Tag eines Plüschtieres. Plüschi und seine Freunde stellen wahrscheinlich die ganze Bude auf den Kopf! Das würde zumindest erklären, warum ich nie etwas wiederfinde. Aber da die Plüschis wohl immer just in dem Moment mit ihren Ausschweifungen aufhören, in dem man ins Zimmer kommt und ich bisher nicht das Mittel der Videoüberwachung ausprobiert habe, kann ich über diese Zeit nur Mutmaßungen anstellen.

Jedenfalls hört der Spaß eindeutig auf, wenn die Menschen wiederkommen. Manchmal muss für die Plüschtiere dann der reine Horror losgehen. Vor allem, wenn intensive Beziehungspflege betrieben wird. Wie irritierend, verwirrend und schrecklich muss es für Plüschi sein, wenn die Menschen das tun, was sie Gerüchten zu folge am liebsten tun. Selbst wir Menschen entdecken ständig neue sexuelle Spielarten, aber so ein Plüschtier hat doch meistens von tuten und blasen überhaupt keine Ahnung und das fast im wortwörtlichsten Sinne. Wenn ich so darüber nachdenke, was ich meinen Plüschtieren im Laufe der Jahre so alles zugemutet habe, dann schäme ich mich ja fast dafür. Obwohl sie sich ja nie beklagt haben. Jedenfalls fange ich langsam an zu verstehen, warum manche Menschen ihre Plüschtiere wegpacken oder zumindest so umdrehen, dass die Viecher nichts „sehen“ können, wenn sie sich der schönsten Nebensache der Welt widmen. Wobei Menschen wohl etwas zu allgemein ist, denn eigentlich habe ich das bisher nur von einem Teil der menschen gehört, nämlich von Frauen. Ja, es gibt tatsächlichFrauen, die Plüschtiere wegpacken, wenn sie mit Mann/Frau/Vibrator/whatever ins Bett steigen. Manche davon haben ihre Plüschtiere ab der Pubertät gerüchteweise schon gar nicht mehr in ihrem Schlafzimmer aufbewahrt, weil Teddy&Co recht häufig weggeräumt werden mussten und es deshalb weniger arbeitsintensiv war sie gleich auszulagern.

So weit würde ich nun nicht gehen, die paar Plüschtiere die noch in meinem Zimmer rumsitzen bleiben schön da, wo sie sind. aber ich bin am überlegen ob ich die armen Viecher nicht mal zum Psychiater schicken sollte oder zu den machern von Parapluesch. An einer Sitzung bei einem Freudianer der alten Schule hätten sie sicher ihre helle Freude.

„Lieber Teddy, was denken sie, wenn ich ihnen dieses Bild einer Gurke zeige?“ – „*kicher*sabber*hechel* Muuuuh!“
Vielleicht sind Plüschtiere ja aber auch von Geburt an Voyeure? Wie erkennt man eigentlich, ob ein Plüschtier einen seelischen Knacks bekommen hat? Kann ein Plüschtier Amok laufen und wenn ja, gibt es vorher Hinweise auf die bevorstehende Bluttat? „Killerspiele“ und „Metal“ kann man ja schlecht anführen, denn wenn ein Plüschtier vor dem Rechner sitzt und Dimmu Borgir hörend Pixel abschlachtet ist es eh Zeit sich mit einem entsprechenden Arsenal an Waffen im Keller zu verschanzen. Wobei mich interessieren würde, was Kurt Beck bitte _dazu_ sagen würde! Vielleicht leben die Frauen, die ein irgendwie verkrampftes Verhältnis zu ihren Plüschtieren haben, doch sicherer als ich? Wobe…mal ganz ehrlich…warum räumt man seine Plüschtiere aus dem Zimmer, bevor man „zur Tat schreitet“? Fühlt man sich von denen beobachtet? Denkt man, die Plüschtiere geben plötzlich Kommentare ab? Zugegeben, es könnte schon etwas irritierend sein, wenn man von Plüschi und seinen Freunden kommentiert wird.

Der Plüschelefant: „Was hast’n du da für nen komischen Rüssel? Der is ja gar nich so flexibel wie meiner! Ich kann mir mit meinem Rüssel essen greifen. Und du? Irgendwie stellste mit dem ja gar nichts vernünftiges an! Und er is auch noch an der völlig falschen Stelle gewachsen! Viiiel zu unpraktisch, Mensch!

Der Teddy: „Warum seid ihr an so komischen Stellen behaart? Is euch gar nich kalt? Und warum rasiert ihr an den paar mickrigen Haaren auch noch rum? Also so schlimm is das mit derErderwärmung ja nun auch wieder nich…“

Die Plüschmaus, welche auf dem Bett liegt (wobei man dazu sagen muss, dass die Maus permanent auf und ab hüpft, weil sich die Bewegungen der Beziehungs-Intensivierer auf die Matratze übertragen): „*fieps* Könntet *hops* ihr *fieps* bitte *Salto.schlag* etwas *hüpf* vorsichtiger sein? *flieg* Ihr seid hier nich allein! *fiiiieeeeps*

Okay…die Tierchen wegzuräumen ist wohl wirklich die bessere Alternative, denn die, die ihre Teddys wegräumen sprechen wahrscheinlich auch mit ihren Pflanzen. wahrscheinlich könnten sie ihrer Plüschsammlung nicht mehr in die augen gucken…

Lange rede, kurzer Sinn: Kennt jemand nen Psychiater für Plüschtiere? Ich glaube meine brauchen es langsam mal… 😉

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