Bandansagen

Bandansagen gehören ja spätestens seit der Erfindung des Anrufbeantworters zu einem mehr oder weniger leidigen Thema. Seitdem jemand herausgefunden hat, wie man eine automatische Ansage an die Telefonleitung koppeln kann werden überall auf der Welt Menschen durch immer andere und immer nervige Ansagen gequält. Wenn es eine Zeit gab in der eine lockere Bandansage auf dem eigenen AB ein Zeichen der Rebellion war, so ist es heute Gang und Gebe (ich bilde da ja auch keine Ausnahme, nachdem ich mich in einer schwachen Stunde mal dazu durchgerungen hab meinen AB mit einer menschlichen Stimme zu versehen). Aber trotzdem gaben einem die „Computeransagen“ auch in dieser Zeit einen gewissen Halt. Stets erzählte einem eine Stimme, die mehr nach C64, denn nach Mensch klang, das, was man in diesem Moment wissen wollte oder auch manchmal nicht wissen wollte. Schnell kamen dann auch die Übersetzungen dazu und so wurde man als deutscher Anrufer stets mit der dt. und der engl. Version der Bandansage gefoltert und das meistens von der ewig gleichen, generischen weiblichen Stimme. Egal wo man angerufen hat. Besonders beliebt waren bei mir ja stets die Ansagen, die man bekommen hat, wenn man jemanden auf dem Handy angerufen hat. Nach einigen Wochen wusste man dann auch, welche Situation (Handy aus, besetzt usw.) welche Bandansage heraufbeschwor und wenn man ganz einsam war konnte man kurz der weiblichen Ansage lauschen, die einem erzählte, dass der gewünschte Teilnehmer gerade nicht zu erreichen sei.

Aber auch dies hat sich geändert, wie ich vor kurzem feststellen musste. Ich versuchte jemanden zu erreichen, der aber wohl gerade telefonierte. Da die Ansage anders war, als gewohnt, lauschte ich ihr und stellte fest, dass ich durch Drücken einer bestimmten Taste veranlassen konnte, dass der gewünschte Teilnehmer per SMS gebeten wird mich zurückzurufen. Das musste ich natürlich gleich mal ausprobieren und nach erfolgreichem Tastedrücken teilte mir die C64-Dame mit, dass der gewünschte Teilnehmer sofort mit einer SMS informiert würde. Und plötzlich wurde ich überrascht! Ich wollte gerade auflegen mit dem Gedanken „nun kommt die C64-Dame nur noch mit der englischen Variante“, da ertönte auch schon die englische Variante.

Gesprochen von einer männlichen Stimme! Und diese Stimme klang auch noch wie ein Mensch!

Ich war ehrlich schockiert! Was sollte mir dieser Umschwung sagen? Warum wurde die englische Ansage plötzlich von einem Mann gesprochen? Warum klang dieser Mann viel menschlicher als die weibliche/dt. Variante? Hören Engländer/Amerikaner vielleicht lieber auf eine gut akzentuierte männliche Stimme und wir Deutschen lieber auf die etwas künstlich klingende weibliche Stimme? Welche tiefenpsychologischen Entdeckungen stecken wohl hinter dieser „Geschlechterteilung“ der Bandansagen? Was würden Eva Herman und Alice Schwarzer dazu sagen? Oder haben es sich die Betreiber der entsprechenden Bandansage einfach leicht gemacht und die entsprechende Stelle aus „English for Bandansagers“ kopiert (denn so ähnlich hörte es sich an)?

Vielleicht mach ich mir auch einfach zu viele Gedanken…

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