Der Schrank im Grabenkampf

Ich hab es doch tatsächlich geschafft meinen neuen Schrank etwas wohnlicher zu gestalten. Auf dem Boden gibt es jetzt ne schöne Staubmatte, damit eventueller Besuch seine Füße mit vornehmen Staub bedecken kann, bevor er mein Domizil betritt und ich habe auch einen schönen Flußenvorhang vor dem Schlüsselloch, damit ich mich vor den Eindrücken der Außenwelt schützen kann, sofern ich dies will. Und Spinnen hab ich bisher auch nicht gefunden, welch Glück!

Trotzdem ist nicht alles so schön, wie es sein könnte. Ich erwähnte schon, dass es manchmal günstig wäre, wenn man seinen Schrank lenken könnte, oder? Naja, ich kann es halt nicht und so hat mich der Zufall, oder die Vorsehung, hier abgestellt. Was ich durch mein Schlüsselloch sehen kann, wenn ich vorsichtig hinter dem Vorhang hervorgucke lässt mich schaudern. Bis an den Horizont sehe ich Gräben, die parallel verlaufen und gefüllt sind mit Menschen. Zumindest sehen sie aus, wie Menschen. Und diese diskutieren fröhlich vor sich hin, dass es eine wahre Wonne ist. Es ist ein Krach, dass man sein eigenes Wort nicht versteht und ebenso scheint es den Grabenkämpfern zu gehen. Sie reden und reden, aber sagen tun sie nicht wirklich viel. Sie reden gegeneinander, sie reden untereinander und manchmal hat man den Eindruck sie reden mit sich selbst. Ein Grabenkampf an allen Fronten, könnte man sagen. Nur miteinander reden sie nicht…

Es ist an sich faszinierend. Die Worte verlassen unschuldig den Mund des Grabenkämpfers, wobei sie vergleichbar sind mit einem Schmetterling. Eine solide Verbindung aus Form und Inhalt, nicht dazu gedacht Schaden anzurichten. Aber sobald sie in den Verständnishorizont des Gegenübers kommen verwandeln sie sich in eine Mischung aus Küchenschabe und Stechmücke. Schäbig anzusehen, verletzend und sinnentleert. Die Verwandlung ist ganz deutlich zu sehen, aber keinem der Grabenkämpfer scheint sie aufzufallen. Faszinierend eigentlich…

Und während ich so sinniere schieben sich doch tatsächlich eine Satzfetzen in meinen Schrank und schwirren nervtötend und aus dem Zusammenhang gerissen um mich herum. Ich lasse sie eine Zeit lang gewähren, bis es mir zu bunt wird. Ich fange sie und schnüre sie zusammen, suche nach den letzten Resten klebriger Spinnweben um sie vielleicht doch noch einem sinnvollen Zweck zuzuführen. Die Worte wehren sich, doch nach kurzer Zeit habe ich sie gebunden. Gebunden in Spinnweben, geordnet im Kreis. Mit hübschen Flusen verziert und an strategischer Stelle angebracht um mein Fortkommen zu sichern!

Ich habe ein Lenkrad, geformt aus einzelnen Worten…

Hinter

dem

Tellerrand

gibt

es

auch

noch

Richtiges

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