Emder Lynchmobs

Von , 30. März 2012 22:40
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Die Entwicklungen um den Mordfall an dem 11jährigen Mädchen aus Emden drehen sich aktuell, wahrscheinlich aus Mangel an Tatverdächtigen, um die Äußerungen verschiedener Menschen bei Facebook. Wer mich kennt oder meine Äußerungen zu dem Thema auf Facebook mitverfolgen konnte, der weiß, dass ich kein Freund von “Todesstrafe für Kinderschänder”, Forderungen nach Selbstjustiz und Lynchmobs bin. Nur sollte man auch bei Themen, die einen selbst in Rage bringen, im Falle einer Berichterstattung versuchen, halbwegs sachlich zu bleiben.1 Stellvertretend für verschiedene Artikel, sei an dieser Stelle auf publikative.org verwiesen, die just den Artikel “Der Mob” veröffentlicht hat. Der Artikel beginnt u.a. mit folgendem Absatz, der die Entwicklungen an sich recht treffend zusammenfasst:

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  1. Oder man schreibt Rant drüber bzw. macht deutlich, dass es sich um einen solchen handelt. []
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Sensible Berichterstattung

Von , 30. März 2012 17:32
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In Emden hat sich dieser Tage ein schlimmes Verbrechen ereignet. Ein 11jähriges Mädchen wurde tot in einem Parkhaus gefunden, die Polizei ist sich sehr sicher, dass das Mädchen einem Gewaltverbrechen mit sexuellem Hintergrund zum Opfer gefallen ist. Die Ermittlungen sind noch in vollem Gange, was den örtlichen Zeitungen Gelegenheit gibt, ganz viele Artikel zu veröffentlichen. Der Facebook-Account der Ostfriesen Zeitung (OZ) mutete deswegen zwischenzeitlich wie ein Live-Ticker an. Die teilweise eher bescheidenen Kommentare verschiedener Facebook-Nutzer unter den Artikeln lassen einen teilweise schon am gesunden Menschenverstand zweifeln, was allerdings die “Schwesterzeitung” der OZ, die ON (Ostfriesische Nachrichten), heute rausgehauen hat, das hat mir beim Frühstück mein essen wieder hochgetrieben. Kurze Vorgeschichte:

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They just want you to dance

Von , 25. März 2012 18:16
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Am 3. April 2012 gibt es ab 20:30 Uhr eine besondere Premiere in Arno’s Hirsch. Die Magdeburger Band KEYNO stattet dem beschaulichen Aurich einen Besuch auf ihrer ersten Clubtour ab. Damit steht Aurich in einer Reihe mit so illustren Städte wie Hannover, Dresden, Leipzig und Berlin.

KEYNO, das sind Jessica (vocals), Sebastian (keys), Jan (drums) und Olaf (bass). Das besondere an KEYNO sind neben der eindrucksvollen und bezaubernden Stimme der Sängerin Jessica und der durchweg überzeugenden Instrumentenbeherrschung von Jan, Sebastian und Olaf vor allem die von der Band geprägte Musikrichtung des Redpop. Redpop ist kein Jazz mit Popelementen, aber auch kein Pop mit Jazzelementen, sondern liegt zwischen diesen beiden verschiedenen Musikstilen. Gerade dieser Balanceakt zwischen leichtgängigem Pop und dem unvorhersehbaren Jazz macht die vier Magdeburger so verdammt überzeugend, egal ob sie ihre eigenen Stücke spielen oder bekannte Songs völlig neu interpretieren. Als wäre das nicht genug, so merkt man der Band auch noch an, dass sie Spaß an dem haben, was sie tun. KEYNO harmonieren so gut miteinander, dass man kaum glauben kann, dass sie erst seit Anfang 2010 zusammen Musik machen. Die eindrucksvolle und facettenreiche Stimme der Sängerin Jessica führt den Hörer dabei sowohl begeisternd durch schnelle Stücke als auch durch langsame Balladen.

Wer einmal die Chance hatte in das Debutalbum “faces red” reinzuhören, der weiß spätestens nach “Trains” oder “Going On”, was die VW Sound Foundation meint, wenn diese schreibt:

Die REDPOP-Welt sprüht vor Kreativität und Ideen. Wenn man bedenkt, dass das erst der Anfang ihrer Entwicklung ist, so kann man sich die Band in den nächsten Jahren nur auf den großen Bühnen dieser Welt vorstellen.

Ja, richtig gehört: KEYNO sind stolze Mitglieder der VW Sound Foundation und erhöhen damit den Premierencharakter ihres Auftrittes in Aurich zusätzlich: KEYNO spielen zum ersten Mal im schönen Ostfriesland und Arno’s Hirsch darf zum ersten Mal ein Mitglied der Sound Foundation begrüßen.

Die Kurzdaten:

Wer: KEYNO

Wann: 3. April 2012, ab 20 Uhr

Wo: Arno’s Hirsch in Aurich

Eintritt frei

Kraken

Von , 10. Februar 2012 23:59
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Wenn ich meine Timeline so beobachte, dann habe ich manchmal das Gefühl, es sei gerade “in”, die Piraten für alles mögliche fertig zu machen. Besonders “in” sind (mal wieder) die Vorwürfe, dass die Piratenpartei antisemitisch sei bzw. genau: sich antisemitischer Symbolik bedienen würde. Dies geht zurück auf das Logo, welches u.a. die Piratenpartei für ihre Proteste gegen ACTA benutzt. Das entsprechende Logo sieht man auf der entsprechenden Seite überall. Um lästiges hin und her springen zu vermeiden, die übliche Variante nachfolgend:

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Ich möchte keine Spieleanfragen

Von , 29. Januar 2012 19:47
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Facebook ist ja so eine Sache. Viele nutzen es und von diesen vielen sind wiederum die meisten der Meinung, dass nur sie Facebook richtig nutzen. Keine Gelegenheit lassen sie aus, diese Ansicht unter den Mitgliedern ihrer Freundesliste zu verbreiten. In letzter Zeit bürgert es sich anscheinend ein, dass gerade diese Nutzer ihr Wissen via Bildbeitrag verbreiten. Nachfolgend mal ein besonders penetrantes Beispiel:
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Du bist so ostfriesisch und hast komische Vorlieben bei Facebook

Von , 4. Juli 2011 17:37
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Hachja…die Ostfriesen und ihre Weltsicht. Bei Facebook habe ich eben einen Kommentar zu einem der Programmpunkte vom Tag der Niedersachsen gelesen, der mich an eine Kampagne erinnert hat. Der FB-Kommentar war folgender:

Gay… Das mal Ober scheisse gewesen… Nie wieder..

Für alle, die besonderen Wert auf “richtiges Deutsch” legen: Gay bedeutet “schwul”.1
Nun ist es ja nicht so, dass ich behaupten könnte, in meinem Leben auf Beleidigungen wie “Du bist schwul” oder “Das ist ja so schwul” verzichtet zu haben. Allerdings war ich da bedeutend jünger, als ich es jetzt bin.

Die Kampagne stammt jedenfalls von http://thinkb4youspeak.com/ und umfasste, soweit ich weiß, einen Spot mit Hillary Duff und einen mit Wanda Sykes:

Das mal so am Rande. Demnächst gibt es wahrscheinlich noch tiefere Einblicke in gewisse Denkweisen hier vor Ort und evtl. ein besonderes Wörterbuch “Richtiges Deutsch”. Dafür müsste ich mich aber erstmal dazu durchringen, dass ich mir Notizen mache.

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  1. Es bedeutet eigtl. auch fröhlich, aber so wird es heutzutage wohl eher selten benutzt. []
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Grüne Zukunftskonferenz: Rückschau

Von , 4. Juli 2011 17:00
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Von Claus Hock. Wieder in den heimatlichen Gefilden angekommen. Bisher blieb ich meinen abschließenden Eintrag noch schuldig. In der Rückschau auf die Grüne Zukunftskonferenz stellen sich verschiedene Fragen: Was war gut, was war schlecht? Würde ich da nochmal hingehen? und natürlich: Bin ich jetzt grün?

Gut an der ganzen Veranstaltung war natürlich die Möglichkeit, sie zu besuchen. Das mag jetzt trivial klingen, aber wenn eine Partei schon gezielt Außenstehende einlädt, dann ist das erstmal positiv zu bewerten. Die Konferenz war, abgesehen vom üblichen Chaos, an sich auch völlig in Ordnung. Die Einladung von Außenstehenden in Verbindung mit Chaos führt allerdings zum ersten Kritikpunkt: Wenn man sich Blogger1 einlädt, dann sollte man für a) Steckdosen und b) feste Ansprechpartner, die auch leicht zu finden sind, sorgen. Henning Rasche und ich unterhielten uns2 und er meinte, dass er eigentlich von einer besseren Betreuung und einer größeren Koordination des “Bloggereinsatzes” ausgegangen sei. Mit dieser Vorstellung war er nicht allein. Auch ich hatte mir zumindest ein kurzes Briefing und eine “Bloggerrunde” gewünscht. Auch ein Meet & Greet mit den anwesenden, höheren Bündnisgrünen (Cem Özdemir und Claudia Roth) oder zumindest mit Berliner Bündnisgrünen wäre nett gewesen. Wenn man “persönlich” eingeladen wird, dann will das Ego halt auch ein bisschen was davon abhaben. Besonderen Dank an dieser Stelle allerdings noch einmal an Tobias Schwarz für das Heranschaffen von Verteilersteckdosen in Saal 4. Ohne den Strom hätte uns das meist fehlende WLAN gar nicht gestört, da wir gar nicht hätten bloggen können.3

In den Workshops selbst hätte ich mir einen größeren, inhaltlichen Leitfaden gewünscht. Die vorher einsehbaren Positionspapiere in allen Ehren, aber wenn mehrere Podiumsgäste da sind, die alle nochmal ihre persönlichen Schwerpunkte setzen, dann könnte man auch kurze, individuelle Thesenpapiere verteilen. Wenn auch nur tischweise. Auf dem Podium sitzen traditionell die ExpertInnen, im Plenum allerdings nicht zwangsläufig.4 Im Forum zur Geschlechtergerechtigkeit empfand ich die fehlenden, gedruckten Details als besonders störend, da ich selbst nur oberflächliche Ahnung vom Thema habe und es deshalb besonders schade fand, dass man mit der Fülle an Informationen recht allein gelassen wurde. Dementsprechend war ich in den “Flüsterrunden” auch keine wirkliche Hilfe. Die Keynotes vor, zwischen und nach den Workshops waren leider auch irgendwie nicht besonders mit den anderen Themen der ZuKo verknüpft, so dass die durchaus qualitativ hochwertigen Beiträge irgendwie frei im Raum herumschwebten und vergeblich nach eindeutigen Anknüpfungspunkten gesucht haben.

Vom Zeitmanagement fange ich nun mal nicht an, das ist wahrscheinlich auf allen Veranstaltungen dieser Art so. Obwohl es schon schade war, dass teilweise die interessanten Diskussionen außerhalb der Workshops stattgefunden haben und nicht in den Workshops. Das hatte allerdings nicht nur Zeitgründe.

Sichtung, was die anderen BlogerInnen so geschrieben haben. Da mich besonders Michéle Hamm beeindruckt hat5, soll einer ihrer Beiträge an dieser Stelle als Beispiel dienen. In ihrem ersten Eintrag schreibt sie unter anderem:

Da ich sowieso keinen Empfang hatte, klappte ich den Laptop zu und versuchte einigermaßen den Menschen an meinem Tisch zu folgen. Ich merkte dass mein Fach-Vokabular nicht ausreichte. Wie denn auch? Der Politikunterricht einer Realschule gibt eben nicht viel her.

Diese Erfahrung bestätigt, was ich im Vorfeld der Veranstaltung schon befürchtet hatte: Trotz einer gewissen Öffnung gegenüber Nicht-Mitgliedern und Neuwählern, bestach diese Veranstaltung durch eine gewisse Niveauhöhe, die zwar je nach Thema sicherlich angebracht, aber trotzdem anstrengend ist. Ich bin sicher kein Freund von Platitüden und halte eine vernünftig unterfütterte Diskussion für sinnvoller, als eine, die nur durch Parolen geführt wird. Ich bin aber auch mit einem gewissen Hintergrund auf diese Konferenz gegangen. Manchmal hatte man aber den Eindruck, dass “term dropping”6 betrieben wurde, anstatt eine “didaktische Reduktion” zu betreiben. Auf der anderen Seite waren aber auch halt eben mehr “alte Bekannte”, als neue Gesichter da. So interpretiere ich es zumindest, wenn Menschen im Plenum von den RednerInnen mit Namen aufgerufen werden. Man kennt sich halt. Zur Gewinnung von Interessierten war so vor allem der Workshop zur Geschlechtergerechtichkeit in meinen Augen eher also schlecht zu gebrauchen, was aber auch daran liegen mag, dass es ein Thema ist, welches sich nicht in allen Bereichen so leicht „verkaufen“ lässt, es sei denn man beschränkt sich auf sowas wie „equal pay“. Das Aufbrechen von Macht- und Abhängigkeitsstrukturen ist relativ abstrakt und diese Strukturen sind so lange gewachsen, so dass man7 sich da schnell in den Irrungen und Wirrungen verlieren kann. Ändert allerdings nichts an der Wichtigkeit des Themas. Beim Workshop zum Urheberrecht8 fand ich das “term dropping” nicht so schlimm, allerdings bin ich da auch eher im Thema.9 Leider driftete die Diskussion schnell in, meiner Meinung nach, polemische Bereiche ab, die wenig zielführend waren. Interessant fand ich einen Beitrag aus dem Plenum, in dem gesagt wurde, dass man auch im Bereich des Urheberrrechts und Leistungsschutzes einen “grünen Weg” bräuchte. Wie der auch immer aussehen mag. Wenn die Grünen es schaffen würden, einen entsprechenden Weg zu finden, dann würde es deren Beliebtheit sicherlich kaum schaden. Ohne diesen Weg wurde auf dem Workshop allerdings nicht so wirklich deutlich, welchen Standpunkt das Bündnis überhaupt vertritt. Anonymität im Internet oder eher doch nicht? Kulturflatrate? Wie soll die aussehen?

Wenn ich weiter an die inhaltliche Seite der Veranstaltung denke, so fällt mir zunächst der Spruch des Zynikers ein:
Solche Veranstaltungen sind prädestiniert dafür, dass die eigene Meinung umgestoßen wird und man die Veranstaltung mit einer anderen Meinung verlässt, als man sie betreten hat. Bin ich jetzt also grüner, als ich es vorher war? Da ich keinen der Workshops besucht habe, die grüne Leib- und Magenthemen ansprechen, würde ich sagen: Nein. Die Geschlechtergerechtigkeitsdebatte entsprach relativ meinen eigenen Standpunkten, die ich jetzt aber eher als “sozial” und “links” etikettieren würde.10 Ich kann also jeden beruhigen, der einen “grünen” Einschlag für irgendwie doof hält: Ich bin nicht grüner, als ich es vorher war.

Würde ich also nochmal auf so eine Veranstaltung gehen? Sicher, vor allem, wenn sich die Veranstalter die paar Kritikpunkte zu Herzen nehmen.11 Die Erfahrung war es allemal wert. Nächstes Mal gehe ich auch auf das anschließende Fest, aber das Wetter und meine Müdigkeit waren zwei gute Gründe dagegen.

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  1. Ich weiß, ich gender nicht konsequent. Werde ich mir wohl auch so schnell nicht angewöhnen. []
  2. Nachdem wir uns eher zufällig gefunden haben []
  3. Oder zumindest nicht so lange. []
  4. Wenn man als Blogger mit WLAN-Problemen zu kämpfen hat, dann fördert das die Aufmerksamkeit auch nicht gerade. []
  5. Als Schülerin den ganzen Weg nach Berlin und dann bei einer recht chaotischen Konferenz allen Stolpersteinen zum Trotz am Bloggen, das beeindruckt schon. []
  6. Wie name dropping, nur mit Fachbegriffen. []
  7. No pun intended ;) []
  8. Nur Männer auf dem Podium! Relativ kurz nach der Geschlechtergerechtigkeit war das schon irgendwie merkwürdig. []
  9. Vielleicht gab es auch einfach nicht so viel davon. []
  10. Cargohose und schwarzer Kapuzenpulli wurde zwar von einer netten Teilnehmerin aus Wernigerode so gedeutet, als wäre das irgendwie typisch “grün”, aber nun. An dieser Stelle übrigens Gruß an Daniela und Danke für’s Stricken. So ganz ohne Klischees wäre es doch irgendwie langweilig gewesen. ;) []
  11. Liebe andere Parteien, ihr dürft mich natürlich gerne einladen, wenn ihr meint, dass ihr es besser könnt. Diese Einladung richtet sich allerdings nicht an die NPD. []
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Grüne Zukunftskonferenz: Endrunde

Von , 2. Juli 2011 17:40
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Von Claus Hock. Mit dezenter Verspätung geht es irgendwann in relativ naher Zukunft in die Endrunde. Im Programm nennt sich das “Externe KommentatorInnen-Runde”. Kommentiert wird wirklich, vor allem in den Reihen der Zuhörerschaft. Erste Eindrücke und Bewertungen der Zukunftskonferenz werden in Kleingruppen besprochen und man wird den Eindruck nicht los, dass eben diese Diskussionen in den Workshops etwas zu kurz gekommen sind. Die Verspätungen und Querelen mit dem WLAN1 fordern langsam aber sicher ihren Tribut, ich gebe es zu.

Die abschließende KommentatorInnen-Runde soll…ja, was eigentlich? Als einziger Punkt des Programmes steht diese Abschlussrunde etwas allein und unkommentiert auf dem Plan. Cem Özdemir erklärt aber gerade, dass die KommentatorInnen das Geschehen, die Zukunftskonferenz von “außen” kommentieren und bewerten sollen. Auf dem Podium eine Vertreterin der Grünen Österreich (Eva Glawischnig-Piesczek), eine Journalistin von der taz (Ulrike Herman), ein Journalist vom Tagesspiegel (Harald Schumann) und ein Professor für Sozialpsychologie (Harald Welzer).

Folgende Leitfragen werden besprochen.

1. : Wie bewerten die Anwesenden das heute Diskutierte?2

2. : Wie soll es weitergehen, womit sollen sich die Bündnisgrünen in Zukunft beschäftigen?3

Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar.

Aus Österreich kommt die Anregung, aus der “Medienlogik” der Politik auszusteigen. Man solle sich mal den Luxus gönnen einmal nachzudenken, einmal aus der Dynamik der sofortigen Antworten auszusteigen. Dies habe man heute schon in Ansätzen geschafft.4 Wichtig sei außerdem, nach Eva Glawischnig-Piesczek, dass man sich die Zukunft nicht kaputtsparen dürfe. Gerade in Krisenzeiten müsse man sich darauf besinnen, dass Europa eine Gemeinschaft ist, anstatt nach “meinen” und “deinen” Leuten zu unterscheiden. die Gemeinschaft hochzuhalten sei eine besondere und wichtige Aufgabe der Grünen Bewegung.

Ulrike Hermann nennt als heimliches Motto der Konferenz: Der Atomausstieg ist geschafft, was machen wir als nächstes? Aus ihrer Sicht gab es die Schwerpunkte: Finanzwirtschaft, Soziale Sicherheit/Teilhabe und Umweltschutz. Taktische Fragen, die sich die Grünen laut Hermann stellen sollten, sind hingegen: Aufarbeitung der Vergangenheit als Regierungspartei5, Wer sind eigentlich die Bündnispartner?6 und: Was sind eigentlich die zentralen Botschaften, die die Grünen vermitteln wollen?

Harald Schumann lobt die Grünen für ihre Offenheit, dafür, dass auch Menschen von außerhalb durch die Partei eingeladen werden, um über wichtige Zukunftsfragen zu diskutieren. Schumann kritisiert die fehlende Verknüpfung der Keynotes der ausländischen Gäste und der stattfindenden Workshops.

Harald Welzer ist der Meinung, dass wir uns gegenwärtig nicht in einer Position befinden würden, in dem man eindeutig sagen könnte, welche Wege in die Zukunft führen. Er plädiert deswegen für ein “sich herausnehmen”, ähnlich wie es von Eva Glawischnig-Piesczek angesprochen wurden.7

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  1. Gut, letzteres hat wohl vor allem die Blogger gestört []
  2. Die Ausführungen gehen teilweise in die 2. Leitfrage über. []
  3. Cem Özdemir: Die Grüne Wunschliste []
  4. Erinnert mich eben dran, dass ich dazu noch etwas schreibe. []
  5. Hartz 4, Spaltung der Gesellschaft u.a. durch den Niedriglohnsektor []
  6. Komplette Transformation, da sich die Grünen bisher auf Bewegungen stützen konnte, was sich in den letzten Jahren aber geändert hat. Die Grünen hatten also Bündnispartner in der Bevölkerung in Form von Bewegungen. Soziale Sicherheit und Teilhabe hat aber z.B. keine Bewegung in den Bevölkerungsschichten. []
  7. Er sagt noch mehr, aber ich bin gerade raus. Müdigkeit und so. []
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BAG Medien- und Netzpolitik: Warten…

Von , 2. Juli 2011 15:15
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Von Claus Hock. Wie am Tisch gerade so treffend festgestellt wurde: “Wir sind bei den Grünen, wir haben es nicht so mit der Zeit.” Oder so ähnlich, jedenfalls hinkt zumindest der genannte Workshop schon eine halbe Stunde hinter dem Zeitplan hinterher. 100 Teilnehmer waren angekündigt, bisher sind es so 30 inklusive Referenten. Tatsächlich nur Referenten, nur Männer, keine Frauen. Eingedenk des vorherigen Workshops könnte man jetzt natürlich fragen, wie das denn auf den grünen Veranstaltungen so mit der Quote aussieht. Muss man aber auch nicht machen. Die Laptopdichte im Saal 4 des Kosmos ist auf jeden Fall höher als im Geschlechterworkshop.

Bei der Warterei stellt sich heraus: Handys sehen gegenderte Wörter als Fehler an.

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Mit gut 30 Minuten Verspätung scheint der Workshop langsam anzufangen. Aber wirklich nur ganz langsam. Malte Spitz eröffnet den Workshop. Die Urheberseite wird vertreten vom Musiker und Autor Pit Budde, die rechtliche Seite von Reinher Karl (Anwalt für UrheberInnen- und Medienrecht) und die Seite des Internets1 wird vertreten von Jan Engelmann (Bereichsleiter bei wikimedia).

Reinher Karl beginnt mit einer “Einführung” in das Urheberrecht und stellt heraus, dass das Urheberrecht eigentlich in erster Linie dazu dient, die UrheberInnen zu schützen und zu entlohnen.2 Allerdings könne das Urheberrecht und die darüber erfolgende Entlohnung eigentlich keinen Musiker alleinig ernähren.

Pit Budde übernimmt den zweiten Teil und legt seine Sicht als Musiker dar. Er sagt, dass er im Thesenpapier und in der Debatte den Eindruck habe, dass es häufig um den “Mainstream” gehe, worin er ein Problem sieht.

Die 1. These3 hält Budde für schwammig. Für erbrachte Leistungen (Musik) solle der Künstler entlohnt werden und Budde betont, dass man es den KünstlerInnen selbst überlassen solle, wann und für wen sie ohne Entlohnung arbeiten. Außerdem dürfe man das Zusatzeinkommen, die Zusatzsicherheit, die die Entlohnung durch das Urheberrecht schafft, nicht unterschätzen.

Budde: 70 Jahre nach dem Tod sollten alle Grundstücke und Besitztümer des Verstorbenen in den Besitz der Allgemeinheit übergehen.4 Dieser Vorschlag zu den Schutzfristen sorgt für leichten Beifall im Raum. Ferner unterstützt Budde die Forderung eines neuen Gesellschaftsvertrages5 , da der “alte” Gesellschaftsvertrag in Bezug auf die Urheberschaft in den letzten Jahren durch den Nutzer größtenteils aufgekündigt wurde.

Wenn beim Gerechtigkeitsworkshop der “Gegenpol” weitestgehend fehlte, so übernimmt Budde in diesem Workshop gerne und begeistert den Gegenpol und pflückt genüsslich die Punkte und Thesen auseinander, die seiner Meinung nach “Quark”, Blödsinn oder einfach nur fehlgeleitet oder irreführend formuliert sind. Er schließt mit der Forderung, dass auch in diesem Bereich nicht über die Köpfe der Beteiligten hinweg diskutiert werden solle.6

Als letzter im Bunde spricht Jan Engelmann, der nach der Darstellung seines biographischen Hintergrundes (u.a. ehemaliger freier Journalist) über seine Arbeit und die damit einhergehende Themensicht bei Wikimedia spricht.

Pünktlich zum Beitrag von Engelmann schmiert das WLAN bei allen anwesenden Bloggern ab. Schade, da hat die Planung von bündnisgrüner Seite leider versagt. Instabiles und nicht flächendeckendes WLAN im Tagungsort ist störend, vor allem für Blogger.

Engelmann findet es merkwürdig, dass dogmatisch davon ausgegangen wird, dass Kulturschaffende nicht auch auf andere Art und Weise ihr Geld verdienen können.7

Beliebtes Thema sind und bleiben allerdings die Schutzfristen. Engelmann bringt allerdings einen neuen Punkt in die Diskussion ein, wenn er darauf hinweist, dass man bei laufenden Digitalisierungsprojekten gemeinfreier Werke darauf achten sollte, dass keine neuen Urheber- und Verwertungsrechte entstehen. Außerdem weist er darauf hin, dass bei der ganzen Diskussion „Kollateralschäden“ nicht aus dem Blick verloren werden sollten. So hätte eine fehlende Anonymisierung ggfs. Folgen für die Schreiber durch den Arbeitgeber, den Staat o.ä.

An den Anschluss an die Positionierungen sollten die einzelnen Thesen in Kleingruppen behandelt werden, durch die fortgeschrittene Zeit wird aber darauf verzichtet und gleich zur Großdiskussion übergegangen.

In der Diskussion wird auf die Kulturflatrate eingegangen, jedoch ohne dass genau geklärt oder erklärt werden würde, wie diese Kulturflatrate denn aussehen sollte oder könnte.

Teilweise wird die Diskussion etwas polemisch.8 Dies zeigt allerdings gut, wie “verhärtet” die Fronten in Bezug auf Urheberschutz, “Kostenloskultur” usw. sind.

[Wird im Hotel beendet, das WLAN ist gerade quasi nicht vorhanden. Arbeiten geht so nicht.]

 


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  1. mal ganz platt ausgedrückt []
  2. Dank spinnendem WLANs war ich allerdings kurzzeitig abgelenkt. []
  3. Ein Ausspielen von elementaren Bürgerrechten gegen gerechte Vergütungs- oder Abrechnungsmodelle kommt für Bündnis 90/Grüne nicht in Frage []
  4. sinngemäß []
  5. These 4: Das Urheberrecht muss rechtlich verankert UrheberInnen und NutzerInnen gleichzeitig schützen und dienen – es ist Teil eines sozial gerechten Gesellschaftsvertrages []
  6. Auch wenn es sich manchmal scheinbar eher um Missverständnisse handeln könnte. []
  7. Leider ist Engelmann kein so begeisternder Redner wie Budde, außerdem stört das fehlende WLAN, so dass der Argumentationsstruktur schwerer zu folgen ist. []
  8. Gut, wenn Budde immer von Bullshit redet, mag sich so mancher Redner da anschließen. []
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BAG Medien und Netz: Einleitung

Von , 2. Juli 2011 14:37
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Von Claus Hock. Der zweite Workshop für diesen Tag ist der vom “BAG Medien- und Netzpolitik, BAG Demokratie und Recht sowie BAG Kultur” mit dem schönen Titel UrheberInnenrecht und Informationsfreiheit. Der Workshop bedient also das Leib- und Magenthema der meisten Blogger und “digital natives”. Mit dabei sind bisher Michéle, Philipp und ich.

Kernthesen des Workshops sind:

  1. Ein Ausspielen von elementaren Bürgerrechten gegen gerechte Vergütungs- oder Abrechnungsmodelle kommt für Bündnis 90/Grüne nicht in Frage
  2. Die Begrenzung der geltenden Schutzfristen berücksichtigt den Innovationszyklus unserer heutigen Zeit und kreative Entwicklungen stärker
  3. Eine gerechte und angemessene Vergütung der UrheberInnen selbst muss Leitmotiv aller Urheber- und Leistungsschutzgesetzgebungen sein
  4. Das Urheberrecht muss rechtlich verankert UrheberInnen und NutzerInnen gleichzeitig schützen und dienen – es ist Teil eines sozial gerechten Gesellschaftsvertrages

Bis zum Start des Workshops lockere und unterhaltsame Gespräche am Tisch.

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