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Die verfehlte Diskussion um das Kulturgut Buch

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Friedrich Forssman hat vor ein paar Tagen im Blog des Suhrkampverlages einen Artikel mit dem Titel “Warum es Arno Schmidts Texte nicht als E-Book gibt” veröffentlicht. Schon die ersten Zeilen geben Anlass zur Hoffnung, dass ein nicht wirklich gut durchdachter Artikel folgen wird.

Muß man eigentlich noch etwas gegen E-Books sagen? Müssen sie einem nicht womöglich leid tun, die albernen Dateien, die gern Bücher wären, es aber niemals sein dürfen? Ja, das muß man, und nein, das müssen sie nicht, sie sind ein Unfug, ein Beschiß und ein Niedergang.

Diese Litanei zieht sich durch den gesamten Artikel. Dabei schreibt Forssman durchaus Dinge, die nicht von der Hand zu weisen sind.
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Multiple Ausrufezeichen

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‘Multiple exclamation marks,’ he went on, shaking his head, ‘are a sure sign of a diseased mind.’ (Eric)
Five exclamation marks, the sure sign of an insane mind. (Reaper Man)
‘And all those exclamation marks, you notice? Five? A sure sign of someone who wears his underpants on his head.’ (Maskerade)
‘That! Is!! Not!!! My!!!! COW!!!!!’ (Thud!)

[Artikelbild: Wissenschaftsjahr CC BY 2.0]

Multiple Ausrufezeichen werden gerne benutzt, wenn etwas besonders deutlich gemacht werden soll. Auf eine kindische Art und Weise. Mehr als ein Ausrufezeichen ist das Äquivalent zum zornigen Aufstapfen eines Kindes, welches seinen willen nicht bekommt. Viele (außerhalb des Internets) haben das verstanden, einige nicht. Besonders peinlich sind die multiplen Orgasmen der Schreibenden, wenn sie in offiziellen Pressemitteilungen vorkommen, noch peinlicher, wenn diese Pressemitteilungen von der Polizei kommen. Wer stellt sich beim Lesen nicht gerne vor, wie ein Polizist trotzig mit den Füßen aufstampft, weil ihm kein Schwein zuhören will.

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“Inzwischen auch schon gelesen”

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Vor einigen Tagen stolperte ich über einen Facebook-Eintrag von Tobias, einem Bekannten, der einen Link zur Daily Mail beinhaltete. Das Posting las sich so:

#China televises sunrise, because the #smog has become so thick in #Beijing

und war gefolgt von einem Link. Ich sehe die Daily Mail nicht als seriöse Quelle an (wie in den Kommentaren behauptet), aber das interessante ist nicht das Posting an sich, sondern die fehlende Korrektur. Das FB-Posting stammt vom 18. Januar, am 22. Januar nahm der Bildblog die Geschichte auseinander. Ich las das heute und suchte daraufhin den Eintrag bei FB wieder raus. Die Kommentare hatten sich seit dem 18. Januar nicht bewegt, keine Richtigstellung, nichts. Das war insofern für mich verwunderlich, als dass Tobias eigentlich sonst in netzpolitischen/informationspolitischen/journalistischen Themen relativ up to date ist und, meines Wissens nach, kein Freund von solchen Fehlinformationen ist. Aber gut, vielleicht hat er es einfach nicht gesehen. Entsprechend postete ich meinen Kommentar

Die Daily Mail is nich seriös und der Aufhänger stimmt nicht. Zumindest laut Bildblog.

unter das Bild, einfach nur als Hinweis. Dann kam aber die Reaktion, die eigentlicher Anlass für diesen Blogeintrag war.

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"DESTROY THIS MAD BRUTE - Enlist U.S. Army" is the caption of this World War I propaganda poster for enlistment in the US Army. A dribbling, mustachioed ape wielding a club bearing the German word "kultur" and wearing a pickelhaube helmet with the word "militarism" is walking onto the shore of America while holding a half-naked woman in his grasp (possibly meant to depict Liberty). This is a US version of an earlier British poster with the same image. Dated ca 1917.

Warum “political correctness” Blödsinn ist

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Man hört immer wieder, dass “Political Correctness” hierzulande übertrieben wird. Es gehe zu weit, wenn man die “Zigeunersoße” nicht mehr so nennen dürfe, der Verlust der “Negerküsse” sitze immer noch zu tief. Auch die Abart der “PC”, das “Gender-Mainstreaming” wäre etwas zu viel des Guten. “Bundeskanzlerin” gehe ja noch in Ordnung, aber “Studenten” umfasse nun wirklich alle Geschlechter.

Es stimmt, der Begriff der “political correctness” ist ausgemachter Blödsinn. Nicht nur, weil “Politik” in den Augen vieler ausgemachter Blödsinn ist, sondern weil es nichts mit “politischer Korrektheit” zu tun hat, wenn man Wörter wie “Neger”, “Schwuchtel”, “Zigeuner” o.ä. mehr sagt. Es hat etwas mit Menschlichkeit zu tun. Es hat damit zu tun, dass man beleidigende Begriffe vermeidet. Wenn Menschen mit einer anderen Hautfarbe nicht als “N…” bezeichnet werden wollen, sondern als “Schwarze” oder Afrodeutsche/-amerikaner/-…, dann ist das ihr gutes Recht, weil das N-Wort ihnen in Zeiten der Unterdrückung und Sklaverei aufgedrückt wurde. Wer das, beispielsweise als “Deutscher” nicht versteht, der müsste eigentlich auch kein Problem damit haben, wenn man ihn als “Nazi”, “Mof”, “Boche” oder “Kraut” bezeichnet. Wer den generischen Maskulinum verteidigt, der muss sich fragen, warum er den generischen Femininum so vehement ablehnt, ist es doch nur die andere Seite der gleichen Medaille.

“Politische Korrektheit” wird heute gerne abwertend benutzt, man rühmt sich, wenn man es wagt, “inkorrekt” zu sein. Der Begriff hat einen Bedeutungswandel durchgemacht, der Kampf gegen “übertriebene” Korrektheit wird wacker geführt, d.h. es werden wacker weiter beleidigende und diskriminierende Begriffe benutzt. Hat man ja schon immer so gemacht.

“Politische Inkorrektheit” hat dabei eigentlich nie etwas damit zu tun, dass man seine Meinung sagt. “Politisch inkorrektes” Verhalten ist kein Aufbegehren, es ist gelebte Beleidigung und Diskriminierung. Wer also diese Inkorrektheit vorschiebt, will sich eigentlich nur nicht eingestehen, dass er andere beleidigt und diskriminiert. Wer sich “politisch inkorrekt” verhält, verhält sich menschlich inkorrekt.

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Täglicher Rassismus [Achtung: Rant]

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Da haben es die “Frankfurter Neue Presse” und die Pisser von Politically Incorrect doch tatsächlich geschafft: Deutschland schafft sich mal wieder ab. In einem Artikel berichtete die FNP, dass in einer Kindertagesstätte das St. Martinsfest “aus Rücksicht auf Mitglieder anderer Kulturkreise” in “Sonne-Mond-und-Sterne-Fest” umbenannt werden würde. PI-News sprang auf diesen Zug auf, veröffentlichte gleich die Anschrift der Kita, die daraufhin wohl von aufrechten Deutschen mit bösen Mails überzogen wurde.

Abgesehen davon, dass die Umbennennung so gar nicht stattgefunden zu haben scheint und so oder so völlig andere Gründe zum “Sonne-Mond-und-Sterne-Fest” geführt haben; abgesehen davon, dass hier wohl nicht wirklich darüber nachgedacht wurde, was man so in die Zeitung kleckst: Haben wir sie noch alle?

Wenn man sich die Empörten so anhört, dann klingt es, als wäre der Martinstag einer der großen, christlichen Feiertage. Dabei ist es ein Tag, der allerhöchstens regional ausgeprägt ist und das vor allem überall unterschiedlich. Bevor ich mal in den Wikipedia-Artikel geguckt habe, hab ich diesen “Sonne-Mond-und-Sterne-Tag” gedanklich immer mit dem ostfriesischen Martinisingen gleichgesetzt, welches man aber wieder nicht mit dem anderen, auch in Niedersachsen begangenem, Martinssingen verwechseln darf.1 Hier in Brake gibt es, trotz starker Kirchenpräsenz, solche Singereien überhaupt nicht bzw. kaum. Laternenumzüge allerdings schon, da schließe ich mich der FAZ an:

Tatsächlich werden auch in anderen Kindergärten, nicht nur in Bad Homburg, Anfang November Lichter- und Laternenfeste begangen, die nur den Termin mit dem Martinstag gemein haben. Und zu mancher bekannten Melodie gibt es Texte, in denen der heilige Martin nicht mehr vorkommt.

Obwohl es sich um einen nicht wirklich einheitlich begangenen “Feiertag” handelt, ist die Empörung über die angebliche und sowieso immer böse “politische Korrektheit” so groß, dass man auf Facebook mit Postings wie diesem hier konfrontiert wird:

“Na endlich, endlich hat sich jemand getraut. Nun hat ein Kindergarten den Martinstag umbenannt in „Sonne, Mond und Sterne Fest“. Das wurde ja auch Zeit. Schon letztes Jahr war ich schockiert, als auch einige Migrantenkinder bei mir am Martinsabend…oh, sorry, am „Sonne-Mond und Sterne Fest Abend“ singend bei mir vor der Haustüre standen. Der Blick aus diesen gequälten Kinderaugen lässt mich bis heute nicht schlafen. Als diese armen Geschöpfe gezwungen wurden ein Lied zu singen das nicht zu ihrem Kulturkreis gehört, um dann von mir Süßigkeiten aufgezwungen zu bekommen, die man in ihrem Kulturkreis nicht bekommt, schossen mir die Tränen in die Augen und ich schämte mich bitterlich ein Christ, und noch schlimmer, ein Deutscher zu sein. Niemand kann sich vorstellen wie sehr diese Kinder leiden mussten unter unserem „Martinsfest“. Schokolade, Martinsbrot und Martinsfeuer- wie menschenverachtend ist das denn? Doch nun ist ja endlich Schluss damit. Wir werden endlich politisch korrekt. Aber, da fehlt doch noch einiges, oder? Wie schlecht müssen sich diese Leute fühlen, angesichts unserer Feiertage. Wie unterdrückt und misshandelt sind diese Mitbürger angesichts unserer westlichen Kultur? Somit habe ich hier noch ein paar Vorschläge. Und damit diese auch international verstanden werden am besten in Englisch und politisch korrekt:

• Weihnachten – Give-all-you-can-Day
• Ostern – Egg-searching-and-Rabbit-Day
• Karfreitag – Die-all-you-can-Day
• Erntedankfest – All-you-can-eat-Day
• Sylvester – Fucking-good-Fireworks-Day
• Christi Himmelfahrt – Fly-high-as-you-can-Day
• Fronleichnahm- Day-after-Halloween-Day
• Buß- und Bettag – Think-about-your-political-Correctness-Day
• Nikolaus- Sack-and-Candy-Day
• Pfingsten – Take-a-Joint-and-feel-the-spirit-Day
• Heilige Drei Könige- Persian-Imigration-Day

Doch damit nicht genug, was ist zum Beispiel mit:

• Andreaskreuz?
• Kreuzung?
• Kreuzband?
• Klosterbier?
• Sankt Gallen?
• Sankt Augustin?
• Sankt Johann

Und auch unsere Vornamen müssen umgehend geändert werden. Wie muss sich ein solch armer Mensch fühlen wenn sich ihm jemand vorstellt der z.b.

• Peter
• Paul
• Johannes
• Elisabeth
• Maria
• Georg
• Georg
• Sebastian
• Florian

heißt? Schon mal darüber nachgedacht das wir uns nun endlich integrieren sollten in unsere Immigranten?
Jetzt ist mal Schluss mit diesem westlichen denken! Wir tun ja so als wären wir hier zu Hause.- Nichts für ungut.

Das ist an Dämlichkeit schon gar nicht mehr zu überbieten, aber lustig, dass hier auch gleich gegen die, die deutsche Sprache unterwandernden, Anglizismen geschossen wird. Der Umstand, dass die aufgezählten, urchristlichen Feste teilweise in anderen Religionen auch existieren und/oder einfach vorchristlich-heidnischen Feiertagen übergestülpt worden sind: Egal!
Wo wir schon mal dabei sind: Ihr gottverehrenden, aufrechten, männlichen Deutschen, die ihr um Verlust der vaterländischen Tugenden fürchtet, weil das Christentum2 auf dem Rückmarsch ist: Hört auf, am Vatertag zu saufen! Der Vatertag ist nämlich a) eine amerikanische Erfindung und und b) in Deutschland eigentlich Christi Himmelfahrt. Ihr Dämlichen, die ihr euch immer über “politische Korrektheit” aufregt, seid so christlich wie’n Stück Brot. Ihr würdet Christus nicht einmal erkennen, wenn er vor euch ans gottverdammte Kreuz genagelt werden würde. Vom Christentum habt ihr genauso viel Ahnung, wie vom Islam, nämlich gar keine. Ihr empört euch über jeden Furz, ohne auch nur eine Sekunde mit Recherche zu verbringen, ohne auch nur eine Sekunde euren Kopf aus der braunen Soße eures Lebens herauszuziehen. Ihr liked dämliche, nationalistische Scheiße auf Facebook, ihr empört euch, ihr findet euch selbst toll und merkt dabei nicht einmal, wie viel Dünnpfiff ihr produziert. Geht kacken, goddammit! Oder, um eine Seite zu zitieren, die immerhin von fast 25.000(!) von euch Flachpfeifen geliked wurde:

Man sollte unterscheiden lernen, einen wütenden Deutschen sollte man nicht gleich in die rechtsradikale Schublade schieben … zügeln sollten sich einige mal mit ihren Kommis. “AUSLÄNDER RAUS” hilft uns DEUTSCHEN nicht besser da zu stehen, “NAZIS RAUS” umgekehrt ist aber auch keine Lösung.

“NAZIS RAUS IST AUCH KEINE LÖSUNG?” BITTE WAS? Angst vor’m Umzug, oder wat? Boah ey!3

Beitragsbild:

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  1. Lieder wie “Laterne, Laterne” oder “Ich geh mit meiner Laterne” hab ich früher auch schon gesungen. Die christlichen Ursprünge verlieren sich also schon länger. []
  2. Bedroht durch ALLES! []
  3. Verehrte Leser, wer es bis zu diesem Punkt geschafft hat: eigentlich sollte dieser Eintrag kein Rant werden und eigentlich wollte ich mich auch nicht mit einem Rant zurückmelden. Beim Schreiben hat sich aber herausgestellt: ein Rant ist genau das, was ich gerade brauche. Diese tägliche Dummheit, die einem entgegenschlägt, ist manchmal einfach zu viel. Ich bitte um Verständnis. []
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Wohin gehen wir?

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5. November 2013

In Deutschland brennen zwar (noch) keine Ausländerheime, aber wir gehen wieder gegen Ausländer auf die Straße. Die Demonstranten sind natürlich nicht rechts, haben mit Ausländerfeindlichkeit nichts am Hut und mit der NPD sowieso nicht und sowieso und überhaupt.

How did this happen?

“Mit großer Verblüffung musste man feststellen: ganz und gar nicht alle Journalisten der großen deutschen Zeitungen stellten sich vorbehaltslos auf die Seite der Bürger, ja sie verteidigten nicht einmal ihre eigenen Rechte. Sondern ganz schön viele hielten lieber zum Staat und brachten viel Verständnis für Rechtsbrüche und Machtansprüche auf.”

Who’s to blame? 

Der groß angekündigte und zwischenzeitlich nahezu gefeierte NSU-Ausschuss hat schon lange seinen Abschlussbericht vorgelegt. Die wehrhafte deutsche Demokratie zeigt sich erneut zahnlos gegenüber den eigenen Geheimdiensten, dem Polizeiapparat und dem Rechtsextremismus in Deutschland.

If you’re looking for the guilty, you need only look into a mirror.

Mit dem Urheberrecht ist das in Deutschland so eine Sache. Also, geschützt wird es, wenn die Verleger profitieren.

I know why you did it. I know you were afraid.

LSR-Streit war gestern, man kann ja mit Google Geld verdienen.

The ending is nearer than you think, and it is already written. All that we have left to choose is the correct moment to begin.

Die SPD, dereinst die große Arbeiterpartei, manövriert sich selbst ins Abseits. Man könne nicht “alles oder nichts sagen”, nicht eine Partei wie die SPD. Immerhin, alles oder nichts beim Mindestlohn geht.

Equality and freedom are not luxuries to lightly cast aside.

Kein Adoptionsrecht für Homosexuelle? Wir sind empört! Wir warten dann doch vielleicht, bis uns das Gericht vorschreibt, was wir zu tun haben.

Everybody is special. Everybody. Everybody is a hero, a lover, a fool, a villain. Everybody. Everybody has their story to tell.

Dead Man Walking.

Love your rage, not your cage.

Es vergeht einem schon etwas die Lust, regelmäßig Nachrichten zu gucken oder zu lesen.

Where will we stand a year from now?

 

WaterQuake 2013

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Wer Fotos vom WaterQuake 2013 sehen will (und mal einen Embed-Post von Facebook in Aktion sehen will), der ist hier jetzt richtig. ;)

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Kühn

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Thomas Brückmann ist natürlich nicht der einzige Kandidat für das Amt des Landrates der Wesermarsch, auch die SPD hat ihren Kandidaten ins Rennen geschickt und schon die ersten Plakate gehängt.  Designierter Kandidat der SPD ist Dr. Stefan Kühn.1 Die SPD hat schon zwei Plakatvarianten aufgehängt, die beide betrachtet werden sollen.

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  1. Disclaimer: Meine Freundin ist Mitglied der SPD und zumindest am Rande am Wahlkampf für Kühn beteiligt. Zudem war ich an der “Claim-Findung” beteiligt. []
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Copyright: Focke Museum

Erster TweetUp im Focke Museum (Bremen)

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Am vergangenen Dienstag (16. Juli 2013) lud das Focke Museum in Bremen, knapp zwei Jahre nachdem die Kulturkonsorten den ersten musealen TweetUp in München organisiert haben zum ersten TweetUp seit der Existenz des Museums ein. Organisiert wurde diese Event maßgeblich von der Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Anne-Katrin Axt und der Regialogin Stefanie Karg. Da ich selbst am Regialog teilnehme und außerdem noch nie bei einem TweetUp war, lag eine Teilnahme nahe.

Nachdem die Odyssee durch das Bremer Baustellen- und Verkehrschaos beendet war und die restlichen Teilnehmer eingetroffen waren, ging es los. Fokus der Veranstaltung lag auf der aktuellen Sonderausstellung “Graben für Germanien. Archäologie unterm Hakenkreuz“, durch die Ausstellung führte Dr. Dirk Mahsarski, einer der Kuratoren der Ausstellung. Einen Großteil der Tweets kann man bei Carolin Hinz auf Storify nachlesen oder man guckt beim “Esel unterwegs“.

Im Rückblick lässt sich feststellen, dass die Ausstellung “Graben für Germanien” auf jeden Fall sehenswert ist, dass Dr. Mahsarski tagelang über seine Ausstellung reden könnte und sich bei 90-Minuten wirklich zusammenreißen musste, aber auch, dass Dr. Mahsarski viel Lob dafür verdient, dass er so lange nur mit Schädeldecken gesprochen hat. Inhaltlich besticht die Ausstellung vor allem durch die konsequente Dekonstruktion des Mythos “Germanien”. Archäologen im 3. Reich waren maßgeblich und federführend daran beteiligt, dass die Mär vom germanischen Volk überhaupt entstanden ist, obgleich es entsprechende politische Konstruktionen schon bei Caesar gab. Aber gerade im Aufzeigen der “Chronologie” von Entstehung, Weiterentwicklung und Überdauern bis in die heutige Zeit liegt eine der besonderen Stärken der Ausstellung.

Einen Verbesserungsvorschlag habe ich aber trotzdem, obwohl ich sagen muss, dass ich keinen Vergleich zu anderen TweetUps habe. Dennoch wäre es zu überlegen, ob man nicht für den nächsten TweetUp eine etwas “freiere” Form der Führung wählt. Es ist anstrengend, wenn man 90 Minuten lang zuhört und twittert, obgleich ich hier auch gleich eine Einschränkung machen muss: Sinn und Zweck einer solchen Veranstaltung ist es sicher nicht, möglichst viel des Gesagten wiederzugeben, sondern eher pointierte Details zu twittern. Sowohl ich als auch das Focke Museum haben, zumindest zu Anfang, wohl den Fehler gemacht, zu viel twittern zu wollen.1 Trotzdem könnte man darüber nachdenken, ob man dem TweetUp zwar einen fachkundigen Führer zur Seite stellt, der aber nur hier und da ein paar einführende Worte spricht, sonst aber nur für Fragen zur Verfügung stellt. So könnten die Teilnehmenden im eigenen Tempo die für sie interessanten Details entdecken. Während der Führung selbst merkte man, dass immer wieder einzelne TeilnehmerInnen sich von der Gruppe absonderten, um selbst Teile der Ausstellung zu erkunden.

Ansonsten an dieser Stelle noch einmal ein Lob an das Team vom Focke Museum für die gelungene Umsetzung und vor allem dafür, dass es einfach mal probiert wurde.

Film zur Sonderausstellung:

Artikelbild: Focke Museum

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  1. Siehe auch die entsprechenden Anmerkungen bei Twitter. []
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Die Kanzlerin hat mir nie ihr Vertrauen ausgesprochen.